Aufsatz zur Situation Pädophiler in Deutschland

Aufsatz zur Situation Pädophiler in Deutschland (Aufsatz II / 2022)

ICD11 | Absicht | Begriffsbestimmung | Auslöser | Kinder als sexuelle Wesen | Kinder lieben | Kontakt zu Kindern | Kinderpornografie | Ermittlungsbehörden Normale Kinderbilder | Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild | Kritische Betrachtung von „Kein Täter werden“ | Selbstbefriedigung | Opfer | Digitale Opfer | Öffentlichkeit / Anonymität | Pädophilie als Waffe | Sicht der Bürger auf Pädophile | Ersatztäter | Gewalt gegen Kinder | Fazit / Quellen

ICD11

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme

ICD11 6D32 Pädophile Störung

Eine pädophile Störung ist gekennzeichnet durch ein anhaltendes, fokussiertes und intensives Muster sexueller Erregung – manifestiert durch anhaltende sexuelle Gedanken, Fantasien, Triebe oder Verhaltensweisen – an denen präpubertäre Kinder beteiligt sind. Um eine pädophile Störung diagnostizieren zu können, muss die Person außerdem auf diese Gedanken, Fantasien oder Triebe reagiert haben oder von ihnen merklich betroffen sein. …

Bis 1991 war auch Homosexualität nach dem ICD eine Störung. Die Entscheidung, Homosexualität herauszunehmen war richtig. Pädophilie drin zu lassen, falsch. Pädophile leiden nicht unter ihrer Pädophilie, sondern unter den Vorurteilen der Gesellschaft, die sie manchmal auch für sich übernehmen.

Absicht

Mit diesem Aufsatz will ich die Umstände aufzeigen, unter denen Pädophile leben und verdeutlichen, dass wir diese verändern müssen. Wir brauchen eine klare Sicht auf die Situation. Dazu ist es erforderlich diese ohne falsche Moral und Anschuldigungen zu betrachten. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass nur ein offener und ehrlicher Umgang mit diesem Thema Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen kann.

Begriffsbestimmung

Das inflationäre Nutzen möglichst drastischer Begriffe, um die Aufmerksamkeit des Publikums sicher zu stellen, führt zu immer mehr Unklarheiten, was denn wirklich gemeint ist. Wenn jede sexistische Ansprache einer Frau als Vergewaltigung bezeichnet wird, dann ergeben sich mindestens zwei Probleme: Zum einen ist nicht mehr klar, was denn passiert ist. Zum anderen wird erzwungener Geschlechtsverkehr mit Eindringen in den Körper des anderen verharmlost. Und damit dem Opfer die Anerkenntnis und Benennungsmöglichkeit eines unfassbaren Gewalterlebnisses genommen. Gleichzeitig eine Belästigung fälschlicherweise als Gewalt eingeordnet.

Inzwischen wird bei Gesprächen über Kinderpornografie immer vehementer gefordert „Missbrauchsabbildung“ zu sagen. Es muss einen Unterschied machen, ob ein 13-jähriges bekleidetes Kind ein Posingfoto von sich macht, Kinder bei sexuellen Spielen gezeigt werden oder die Vergewaltigung eines Kindes abgebildet ist. Das gesamte Spektrum unter einen Begriff zu fassen ist eine absichtliche Täuschung mit dem Ziel weiterer Verbote und Verschärfungen. Diese Vorgehensweise entspricht der Skandalisierung und Hetze wie sie heute in praktisch allen „sozialen“ Netzwerken ausgeübt wird. Statt gegen diese Entwicklung vorzugehen bringen Politiker die so entstehenden Meinungen unreflektiert in Gesetzesform.

Im Folgenden verwende ich den Begriff Missbrauch für sexuelle Übergriffe durch Anwendung von physischer oder psychischer Gewalt. Abbildungen dieses Missbrauchs bezeichne ich als Missbrauchsabbildungen. Abbildungen, die ohne Zwang erstellt wurden und keine Gewalt zeigen als Kinderpornografie. Ich schreibe „Missbrauch“ wenn ich den Begriff meiner Definition folgend im Kontext für falsch halte.

In Zitaten verwende ich den Begriff, den der jeweilige Autor benutzt hat.

Der Aufsatz ist nicht gegendert. Beispiel: Täter meint männliche ebenso wie weibliche Menschen.

Auslöser

Seit meinem ersten Aufsatz in 2020 hat sich viel getan. Die Situation für Pädophile wurde noch unerträglicher. Gesetze wurden verschärft, Straftatbestände erweitert. Der Hass hat sich, wie bei vielen anderen Themen auch, nochmal gesteigert. Ich erlebe Fachleute aus allen Bereichen, vor allem aus dem juristischen, therapeutischen, politischen und pädagogischen Bereich, die sich zutiefst erschüttert zeigen über die Entwicklung. Häufig äußern sich diese nicht öffentlich. Die Sorge, sich einer Diffamierungskampagne auszusetzen, ist zu groß. Leider haben sie damit Recht.

Und ich habe viele neue Erkenntnisse gewonnen, die ich zu Beginn meiner Beschäftigung mit dem Thema nicht hatte. Eine Überarbeitung war schon deswegen angezeigt.

Der Fokus therapeutischer Aufarbeitung liegt auf belastenden Situationen. Genau diese werden gesucht. Sie sind Auslöser vielfältiger Symptome. So finden Therapeuten bei Menschen immer wieder Erfahrungen von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt in der Kindheit. Die Reduzierung dieser Menschen auf Opfer ist zu kurz gegriffen. Zur Wahrheit gehört, dass sie Überlebende eines unfassbaren Angriffs sind. Sie haben Strategien für sich entwickelt, die das Überleben psychisch und physisch möglich machten. Das ist eine Stärke.

Sexuelle Kontakte in der Kindheit, die als unwichtig oder bereichernd erfahren wurden, tauchen bei der Suche nach Auslösern für Störungen nicht auf. Diese Erlebnisse werden nicht gesucht und somit auch nicht gefunden. Es entsteht der Eindruck, dass sexualisierte Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern zwangsläufig problematisch sind. Das ist nicht der Fall.

Zum anderen habe ich mir die Frage nach den Tätern gestellt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Gruppe, der Täterschaft am stärksten zugeschrieben wird, die wenigsten Taten verübt: Pädophile. Den weitaus größten Anteil haben Ersatztäter. Also Menschen, die sexuell auf erwachsene Körperschemata ansprechen. Ihre primäre sexuelle Präferenz ist auf Erwachsene gerichtet.

Daraus ergeben sich für mich zwei Folgerungen: Zum einen müssen die entlastet werden, die zu Unrecht Ausgrenzung erfahren, weil man ihnen die Taten zuschreibt. Zum anderen müssen wir Ersatztäter und damit die Ursachen für Missbrauch verstehen. Aus welchem Antrieb handeln die Täter? Welche Maßnahmen können helfen tatsächlichen Missbrauch zu verhindern?

Je tiefer ich in die Materie eintauche, umso mehr Angst entwickele ich um unsere Gesellschaft. Gerade ging eine Welle der Solidarität durch das Land, die Rechte der LSBT*Q  wurden durch die Ukraine gefährdet. Allerorten sah man die Regenbogenflagge. Das ist für Angehörige dieser Gruppen erfreulich. Aus Erzählungen schwuler Männer, die in den 60er Jahren in der Bundesrepublik gelebt haben, weiß ich um den hohen Leidensruck, dem diese ausgesetzt waren. Homosexualität war verboten. Kam es raus verlor man seine bürgerliche Existenz. In ständiger Angst und von der Gesellschaft verachtet zu leben ist traumatisierend. Selbst Jahrzehnte später konnte ich spüren, wie sehr diese Menschen gelitten haben. Problematisch finde ich, dass immer weniger Menschen aus dieser Szene sich mit Pädophilen solidarisieren. Würden sie sich mit der Geschichte der Homosexuellen beschäftigen, also ihrer Geschichte, müssten sie für Pädophile einstehen. Es gibt kein Argument, dieses nicht zu tun. Wer sich für die Rechte Pädophiler einsetzt kämpft für Kinder, Menschenrechte und eine offene, liberale Gesellschaft.

Besonders schwer ist es für mich, Kommentare auf Internetseiten zu lesen, sobald das Thema auftaucht. Neutrale oder positive Beiträge finden sich kaum. Aus fast jedem der Worte trieft Hass. Und all diese Menschen behaupten, sich um die Schwächsten der Gesellschaft zu sorgen. Doch die Schwachen sind  hier die Pädophilen und die Kinder. Kinder müssen als Rechtfertigung für abscheuliche Beiträge herhalten. Pädophile sind Vogelfreie. Bei den besonders aggressiven Kommentatoren hoffe ich inständig, dass diese keine Kinder haben. Kein Kind hat Eltern verdient, die so voller Hass sind.

Kinder als sexuelle Wesen

Pädophilie wirft häufig die Frage nach sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Kindern auf. Und viele meinen, diese sei beantwortet. Meiner Auffassung nach gehört diese Frage nicht in diesen Kontext sondern in den Pädagogischen. Es geht um das Leben und die Rechte von Kindern. Deshalb sollte der Ausgangspunkt dieser Diskussion das Kind sein. Insofern erachte ich den Ansatz der Diskussion schon für vollkommen falsch. Ausgangspunkt muss das Kind sein. Als staatlich anerkannter Erzieher bin ich der Überzeugung, dass es in pädagogischen Belangen der ständigen Diskussion bedarf. Werte und Normen müssen immer wieder auf ihre Gültigkeit überprüft werden.

Kinder zu schützen hat viel damit zu tun, was als Gefahr für das Kind gesehen wird. Das Klettern auf einen Baum kann als Gefahr oder als Lern- und Erfahrungsmöglichkeit gesehen werden. Kommt auf den Baum an. Und das Kind. Kinder vor jeder Begegnung mit Sexualität schützen zu wollen ist mit Sicherheit das falsche Konzept. Das lässt sich schlicht nicht realisieren. Kinder sind sexuelle Wesen. Man müsste sie vor sich selbst schützen. Es ist dringend notwendig, die pädagogische Diskussion über den Umgang mit diesem Faktum unvoreingenommen wieder aufzunehmen.

Inzwischen wird jede Maßnahme, die Pädophilen das Leben erschwert, als Instrument des Kinderschutzes präsentiert. Die Propaganda gegen Pädophile verstellt den Blick auf Bedürfnisse und Rechte von Kindern. Der Vorteil: der Feind klar definiert, die Maßnahmen billig, Diskussionen kurz, das Gewissen beruhigt. Leider mit dem entscheidenden Nachteil, dass kein Kind besser geschützt ist.

Kinder lieben

Heterosexuelle Männer lieben Frauen. Wenn sich ein Mann in eine Frau verliebt, wird er deren Nähe suchen, und möchte, wenn irgend möglich, Sex mit ihr haben. Wenn sie nun keinen Sex mit ihm möchte, dann wird er sie vergewaltigen. Sicher.

Jedem wird auffallen, wo hier der Fehler ist. Aus welchem Grund kommt man nun zu der Annahme, dass dies bei einem Pädophilen genau so abläuft? Der Prozess ist vollkommen identisch. Der Pädophile liebt das Kind. Er wünscht sich eine Beziehung zu dem Kind. Und natürlich wünscht er sich auch sexuellen Kontakt. Die meisten Pädophilen verzichten auf den sexuellen Kontakt. Nicht weil sie denken, dieser würde dem Kind schaden. Sie wissen, was dem Kind passiert, sollte es herauskommen. Denn dann wird dem Kind Schaden zugefügt. Durch Eltern, Justiz und alle am Prozess beteiligten. Deshalb tut er es nicht. Keiner will einem Menschen schaden, den er liebt.

Im § 184b StGB findet sich der Begriff „Kinderpornografische Inhalte“. Dieser meint Bilder und Filme, aber auch Texte. Verboten sind diese, wenn sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter 14 Jahren (Kind) Gegenstand sind. Verboten sind also Bilder und Filme, die echte Menschen zeigen. Auch verboten sind Zeichnungen, Computeranimationen und ähnliches. Eindeutig pornografische Texte sind verboten, soweit sie nicht Teil eines größeren Werkes sind. Posing Fotos sind verboten. Es bleibt in diesem Bereich nichts, was nicht rechtlich gegen den Nutzer verwendet werden kann. Die möglichen Strafen waren schon drastisch. Am 1. Juli 2021 wurden sie trotzdem nochmal extrem angehoben. Es ist jetzt ein Verbrechensstraftatbestand mit einer Mindeststrafe von einem Jahr. Es gibt keine Geldstrafen mehr. Schon bei einem Bild muss eine Haftstrafe von einem Jahr ausgesprochen werden.    Eine Verjährung tritt unfassbare 5 Jahre nach der Vernichtung der Schriften ein. Schon der Versuch, sich diese Schriften zu verschaffen ist strafbar. Sprich: Wer nach Kinderpornografie im Internet sucht macht sich strafbar, selbst wenn er nichts findet. Analog könnte man bestrafen, wenn jemand in die Suchmaschine „morden ohne erwischt zu werden“ eingibt. Werden verbotenen Schriften bei einer Hausdurchsuchung gefunden, spielt es auch eine Rolle, wie diese beschafft wurden. So steht in §184b Absatz 2: „Handelt der Täter in den Fällen des Absatzes 1 Satz 1 gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande …“ Wird darauf erkannt, verdoppelt sich das Strafmaß. Was bedeutet „gewerbsmäßig“? Gewerbsmäßigkeit liegt bereits dann vor, wenn die Absicht bestehen könnte, Geld sparen zu wollen. Beispielsweise indem man nicht für Pornografie bezahlt. Einer Bande gehört man rechtlich schon an, wenn  man sich die Pornografie in einem Chatraum besorgt. Hier bildet man, zusammen mit den anderen Chatteilnehmern, eine Bande. Dabei zu sein reicht aus. Viele Menschen, die Kinderpornografie nutzen, wollen wenigstens keine wirtschaftlichen Interessen bedienen, um Kinder vor dieser Form der Ausbeutung zu schützen. Ihnen dürfte in den meisten Fällen nicht klar sein, dass sie sich damit einer Verdoppelung der Strafe aussetzen.

Erstaunlich ist, dass  der Gesetzgeber offensichtlich glaubt, durch dieses Verbot Kinderpornografie eindämmen zu können. Wenn dem so wäre, dass hohe Strafen und Ermittlungsdruck die Situation wesentlich verändern könnten, dann hätten wir bspw. in der Drogenpolitik Erfolg. Es lässt sich sehr leicht feststellen, dass das Konzept nicht funktionieren kann.

Ungeachtet dieser Tatsache hat der Gesetzgeber diese Handlungen zu Verbrechensstraftatbeständen erhoben. Eine Einstellung bei Geringfügigkeit ist nicht vorgesehen. Diese Änderung hat frappierende Konsequenzen. Schon ein Posingfoto reicht aus um den juristischen Vorgang in Gänze auszulösen. Seit dieser Verschärfung sind die Verfahren sprunghaft und dramatisch angestiegen. Ein Beweis für den Erfolg. Schaut man genauer hin, dann erfährt man, dass die Steigerung auf eine bestimmte Gruppe rückführbar ist: Jugendliche. Schickt eine 13-jährige ein Posingfoto von sich an ihren 15-jährigen Freund und dieses wird auf seinem Handy gefunden, dann wird gegen ihn ermittelt. Mit allen Mitteln. Inklusive einer Hausdurchsuchung. Hat der Junge das Foto im Klassenchat geteilt, dann haben sich alle im Chat strafbar gemacht. Wir kriminalisieren die Sexualität unserer Jugend in ihrer verletzlichsten Zeit, der Pubertät. Da Kinderpornografie zu einem der schrecklichsten Verbrechen hochstilisiert wurde reagiert man hysterisch und unangemessen. Die starke Zunahme von Verfahren wird argumentativ gerne gegen Pädophile eingesetzt. Beweisen diese doch, wie verbreitet Kinderpornografie ist. Wer hat schon Zeit sich mit den Hintergründen zu beschäftigen? Einzig die Wahrnehmung in der Bevölkerung, dass der Staat sich kümmert, kann durch „Funde“, Verhaftungen und hohe Strafen aufrechterhalten werden. An der substantiellen Situation ändert sich nichts.

Ursula von der Leyen erklärte vor über 13 Jahren, dass kinderpornografische Abbildungen immer brutaler werden. Es fänden sich inzwischen auch Vergewaltigungen von Babys. Vergewaltigung ist kein Porno sondern die Abbilddung einer brutalen Straftat. Seit dieser Zeit wird die Behauptung „es wird immer schlimmer“ regelmäßig wiederholt. Mir fehlt die Fantasie, wie das noch möglich sein soll. In Deutschland lässt sich nicht überprüfen, was tatsächlich angesehen wird. 1993 wurde Kinderpornografie verboten. In Russland ist der Besitz von Kinderpornografie straffrei. Hier wurden pädophile Nutzer von Kinderpornografie befragt. Das Ergebnis: Sie legen Wert auf Abbildungen, die ohne Zwang oder Gewalt angefertigt wurden und glückliche Kinder zeigen. Pädophile sind also nicht die, die sich Vergewaltigungen ansehen. Und doch wirft man Kinderpornografie und Missbrauchsabbildungen in einen Topf und nennt Nutzer „Pädokriminelle“. Ein Begriff, von dem immer wieder gern behauptet wird, er meine ja nicht exklusiv Pädophile. Dabei weiß jeder der Akteure, dass genau das bei den Menschen ankommt. Die von v. d. Leyen angesprochenen brutalen Abbildungen sehen sich Menschen mit einem Gewaltproblem an. Überwiegend Heterosexuelle.

Ermittlungsbehörden

Werden Datenträger sichergestellt, müssen diese auf strafbares Material überprüft werden. Beamte erhalten Zulagen, weil sie dieses Material sichten müssen. Diese Zulage muss abgeschafft werden. Wenn mich diese Arbeit belastet, dann sollte ich sie auf keinen Fall machen oder dazu animiert werden. Das gilt ebenso für Notfallsanitäter, Pathologen, Zahnärzte u.v.a.m.. Das kinderpornografische Material ist tatsächlich immer dasselbe. Wäre es anders, könnten Computerprogramme die entsprechenden Dateien nicht filtern. Die Gefahr für die Beamten lauert nach Überzeugung des Psychoanalytikers K. M. Beier denn auch woanders. Das ständige Ansehen kann laut Beier „…zu einer innerlich positiven Besetzung  des Missbrauchs…“ beitragen. Dadurch wiederum würden Übergriffe in der Realität wahrscheinlicher. Die Beamten zeigen, wie wenig diese Aussage zutrifft.

Gleichzeitig verstellt der Blick auf Erfolge bei der Fahndung nach Nutzern von Kinderpornografie den Blick auf die Orte, an denen sexualisierte Gewalt tatsächlich stattfindet. Und die finden sich nicht im Internet, die sind nicht digital. Gewalt findet im Leben von Kindern statt, in der analogen Welt.

„Sämtliche Ressourcen gegen kommerzielle Kinderpornoproduzenten einzusetzen, wäre meines Erachtens ein lohnendes Ziel.“ Dieser Satz findet sich in meinem ersten Aufsatz. Heute bin ich der Überzeugung, diese Industrie ist durch das Internet gestorben. Die im Umlauf befindliche Pornografie ist überwiegend 15 – 25 Jahre alt. Trotz der heute vorhandenen Technik findet sich in den Foren extrem wenig neues Material. In der Statistik zur Kinderpornografie tauchen auch von Kindern und Jugendlichen angefertigte Aufnahmen auf. Das treibt die Zahlen in Höhe und verzerrt den Blick. Zudem werden Kinder und Jugendliche kriminalisiert. Sobald sie das 14. Lebensjahr erreicht haben sind sie strafmündig. Spätesten an ihrem 14. Geburtstag sollten sie also alle ihre selber angefertigten Aufnahmen löschen.

Angeblich besitzen viele Pädophile Kinderpornografie. Und das nicht erst seit gestern. Pädophile können schon aus diesem Umstand nicht die Treiber der Statistik sein. Es ist deshalb zu vermuten, dass die Nutzung dazu beiträgt reale Taten zu verhindern. Studien, die den Zusammenhang untersucht haben weisen sehr eindeutig darauf hin. Der reine Besitz von Kinderpornografie sollte erlaubt werden. Mindestens das Verbot von Posingfotos, Zeichnungen, Animationen und Texten muss aufgehoben werden.

Normale Kinderbilder

Selbst Porträtbilder von Kindern werden Pädophilen nicht gestattet. Sie werden sogar gegen Pädophile benutzt. Nicht rechtlich, so doch moralisch. In einer Sendung zum Thema wurde gezeigt, dass ein Pädophiler ein gerahmtes Bild eines Jungen auf seinem Klavier stehen hat. Der Mann kennt den Jungen nicht, hat sich aber in das Bild des Jungen verliebt, welches einem Kommunionbild gleicht. Was ich wahrgenommen habe, war dieser unerreichbare Wunsch nach Nähe und Liebe, diese Einsamkeit und Isolation. Die ganze Hoffnungslosigkeit, eingefangen in einem liebevoll gerahmten Bild. Im Folgenden wurde der Mann dafür lächerlich gemacht und an Eltern die Frage gerichtet, ob sie das für ihr Kind wollen. Und damit war nicht gemeint, dass das Kind in die Situation des Pädophilen geraten kann. Es ging darum, welche „Gefahr“ ein gepostetes Bild darstellen kann, wobei unklar blieb, worin genau diese denn besteht. Hier vertraut man auf die Fantasie der Zuschauer. Diese Darstellung hat mich fassungslos gemacht. Gleichzeitig verdeutlicht sie, wie weit unten Pädophile in der Gesellschaft stehen und wie stark man Menschen auf ihre sexuelle Orientierung reduzieren darf. Dabei wird den Eltern der Vorwurf gemacht, sie würden mit „leichtsinnigem“ Verhalten, sprich: sie posten vollkommen normale Kinderbilder, diesen „Markt“ bedienen. Die Absicht dahinter ist, das sich immer mehr Eltern fragen sollen, auf was sie noch verzichten müssen, nur weil perverse Pädophile ungestraft ihr Unwesen treiben dürfen.

Die Macher dieser Beiträge setzen auf den Ekel, den die Vorstellung, dass sich ein Mensch auf Kinderbilder befriedigt, auslöst. Ekel kann und darf nicht der Maßstab der Bewertung sein. Küssende Männer wurden auch lange als ekelig angesehen. Und nicht wenige finden das auch heute noch widerlich. Von anderen Praktiken ganz zu schweigen. Wenn alles verboten würde, was niemanden schadet aber von vielen als ekelhaft angesehen wird, dann bleibt am Ende nur die heterosexuelle Missionarsstellung bei Licht aus.

Inzwischen befürchte ich, dass nach dem Verbot sogenannter Posingbilder auch normale Kinderbilder für Pädophile verboten werden könnten. Dann ist nicht mehr die Frage was man besitzt, sondern wer es besitzt.

Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild

Um seinen Sexualtrieb ausleben zu können besteht die Möglichkeit eine Sexpuppe zu erwerben. Neben den erwachsenen Ausführungen in männlich und weiblich gibt es diese auch in kindlichen Ausführungen, überwiegend in Asien. Die Puppen werden den Wunsch nach Nähe zu einem Kind, das man liebt, nicht verändern. Können aber einen Ersatz leisten. Tatsächlich berichten Puppenbesitzer davon, dass sie eine Beziehung zu ihrer Puppe aufgebaut haben, die weit über eine rein körperliche Befriedigung hinausgeht. Damit bilden  Puppen einen wichtigen Baustein um gesetzeskonform zu leben. Der Initiator des Netzwerks „Kein Täter werden“, Prof. Klaus M. Beier sieht das in einem Interview mit RTL ganz anders. Er hat Sorge, dass sich durch die Nutzung der Puppen die Verhaltenskontrolle lockert und Verhaltensabläufe eintrainiert werden. Das würde Betroffene eher dazu anregen sich an einem Kind zu vergehen. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie er zu dieser Einschätzung gelangt. Die „grundsätzlichen Verhaltensabläufe“ kann ich auch mit einem Kissen trainieren. Lange Zeit galten Egoshooter als Hauptverdächtige für eine ansteigende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen, auch in Hinblick auf Amokläufen an Schulen. Inzwischen schätzen Experten und Studien den Einfluss von brutalen Spielen auf die Gewaltbereitschaft der allermeisten Jugendlichen als gering bis nicht existent ein. Auch konnte die Vermutung nicht belegt  werden, dass das Spielen von gewalttätigen Videospielen zu einer Verminderung prosozialen Verhaltens führt. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Psyche mit sexuellen Reizen anders umgeht als mit gewalttätigen. Damit fehlt für ein Verbot von Kindersexpuppen jede Grundlage.

Der Gesetzgeber hat trotz dieser Fakten mit Wirkung vom 1. Juli 2021 auch den Besitz von Puppen unter Strafe gestellt. Nun ist Wirklichkeit geworden, was viele sich nicht vorstellen konnten. Aus einem Gefühl von Ekel und dem Wunsch, Pädophilie zu brandmarken, wurde ein Gesetz. Entgegen der Mehrheit der Fachleute und der Wissenschaft. Hier wird eher die Gefahr gesehen, dass diese Erweiterung strafbarer Handlungen zu selbst- und fremdgefährdendem Verhalten führt. Mithin also die Gefahr für Kinder steigt, Opfer eines Übergriffs zu werden und sich die Selbstmordrate bei Pädophilen erhöht. Es werden Menschen kriminalisiert, die einen gesellschaftsverträglichen Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung gefunden haben. Was sich auch erhöhen wird, ist die Zahl der Straftaten mit dem Merkmal „sexualisierte Gewalt gegen Kinder“, obwohl es sich um einen Gegenstand handelt. Praktischer Weise kann man diese Steigerung dann für weitere Einschränkung, Entrechtung und Verfolgung von Pädophilen nutzen. Man muss nur genug verbieten, dann macht sich auch jeder strafbar.

 

 

Kritische Betrachtung von „Kein Täter werden“

Meine Kritik am Projekt „Kein Täter werden“ (KTW) ist zunächst, dass schon der Titel suggeriert, dass Pädophile Täter werden bzw. sind. Unterstützt wird diese Wahrnehmung durch die Eigenwerbung: „Lieben Sie Kinder mehr, als ihnen lieb ist?“ Das Bild, das hier gezeichnet wird bedient Vorurteile und fördert Stigmatisierung. KTW versteht sich als Präventivprogramm um Kinder vor „Missbrauch“ zu schützen.

Gründungsmitglied vom „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ Prof. Dr. Klaus M. Beier ist Vordenker der KTW Therapeuten. Sein „Manuale zu Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch“ bildet die Grundlage der Arbeit an den KTW Standorten. Es behandelt die Arbeit mit Erwachsenen und Jugendlichen die sich als Pädophil wahrnehmen. Dieses Werk verdeutlicht das Menschenbild, das Herr Beier und damit eine Vielzahl der KTW Therapeuten von Pädophilen hat. Pädophile werden auf ihren Sexualtrieb reduziert. Verbunden mit der Vorstellung, sie seien nicht in der Lage diesen zu regulieren. Zudem fehlen ihnen wesentliche soziale Kompetenzen. Das macht sie zu einer permanenten Gefahr für  Kinder. Jede Äußerung eines Pädophilen, die im weitesten Sinn als „Rechtfertigung“ verstanden werden kann, ist ein Manipulationsversuch oder eine kognitive Verzerrung.

Die Therapie richtet sich fatalerweise an diesem Bild aus. Es gibt meines Wissens keine andere Minderheit, über die dermaßen vereinfachende Aussagen getroffen werden dürfen. Die absolute Mehrheit der Pädophilen begeht keine Übergriffe auf Kinder. Ihr Beziehungsideal entspricht dem der Mehrheitsgesellschaft. Es umfasst alle Aspekte des Menschseins und ist nicht auf Sexualität reduziert. Pädophile sind vor allem eins: Menschen mit Menschenrechten. Auch wenn ihnen diese immer mehr aberkannt werden.

Herr Beier propagiert ein völlig falsches Täterbild: den pädophilen Mann. Studien belegen: Haupttäter sind Heterosexuelle. Menschen, die Kinder als Ersatzobjekte aus unterschiedlichster Motivation benutzen. Sei es wegen Sexual-, Dominanz- oder Gewaltproblematiken. Die Gründe sind vielfältig. Deswegen sind Täter extrem schwer zu erreichen. Prophylaktische Täteransprachen erscheinen kaum möglich.

Das Therapieangebot richtet sich an Pädophile, die freiwillig Hilfe suchen. Natürlich wäre schon die Freiwilligkeit zu hinterfragen, angesichts der gesellschaftlichen Situation, in der Pädophile in Deutschland leben müssen. Geht es KTW um die Verhinderung von „Missbrauch“ hat die Mehrheit der Pädophilen ganz andere Problematiken. Sie stehen eben nicht direkt vor einem Übergriff. Sie leiden unter Störungen wie Depression, Niedergeschlagenheit, Selbstabwertung und Suizidalität. Viele erhoffen sich Hilfe für ihre Problematik. Was sie erfahren, kommt meines Erachtens einer Aversions- / Konversionstherapie nahe. Konversionstherapie wurde als Therapie gegen Homosexualität wegen schwerster Folgen verboten. Dabei gilt: Grundsätzlich braucht kein Homosexueller oder Pädophiler eine Therapie, genauso wenig wie ein Heterosexueller, solange er kein Leiden empfindet. Dabei wird das Leiden bei Pädophilen von der Gesellschaft verursacht.

Besonders betroffen macht mich das Angebot für Jugendliche (PPJ) unter dem Titel „Du träumst von ihnen.“ Es richtet sich an 12 bis 18-jährige. ZWÖLF !!! Nach der Logik von KTW ist ein 12-jähriger also Opfer oder Täter. Je nach dem. Das weckt böse Erinnerungen an das Onanieverbot oder die Sorge, ein Kind könne homosexuell sein. Das Problematisieren der sexuellen Entwicklung mit all ihrer Vielfältigkeit, erschwert das „sich-finden“. In meinen Augen ein Eingriff in die Persönlichkeitsentwicklung, der massive Schäden nach sich ziehen wird. Bei KTW werden Angehörige als „Kontrollinstanz“ benutzt und das Kind bzw. der Jugendliche gedrängt sich zu outen. Wenn rechtliche Vorgaben wichtiger sind als der Mensch, dann verliert der Mensch. Während der Pubertät brauchen Kinder und Jugendliche eine vorurteilsfreie, einfühlsame Begleitung, sofern sie diese wünschen. Was KTW macht ist Missbrauch.

Verwerflich an dem KTW Programm, und das gilt für Erwachsene wie für Pubertäre, ist das Ausnutzen einer sehr verletzlichen Lage. Wenn sich ein Mensch nach langem inneren Ringen einem anderen Menschen öffnet, dann gibt er diesem Menschen eine sehr große Macht. Dies passiert regelmäßig in einem Coming-out-Prozess. Mit dieser Verantwortung sollte ein Therapeut umgehen können. Er muss wissen, die Beziehung ist asymmetrisch, er kann nicht von Einwilligungsfähigkeit ausgehen. Zunächst müsste diese etabliert werden. Bei KTW nutzt man diese Verletzlichkeit: Menschen stimmen einer „Therapie“ zu, deren Absicht und Folgen sie nicht annähernd begreifen. Scheinbare Annahme, um ein therapeutisches Setting zu installieren, bei dem der Hilfesuchende eine Definition erfährt, aus der man ihn nicht mehr entlässt.

Selbstbefriedigung

Ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Onanie fördert Parallelen zu Tage, die erschrecken. Im 17. Jahrhundert wurde Selbstbefriedigung zunächst durch das Protestantentum zur Sünde erklärt. Im 18 Jahrhundert entdeckten Mediziner und Pädagogen Onanie als praktische Erklärung für körperlichen und mentalen Verfall. In der Gesellschaft kam es gut an, dass es eine einfach zu unterbindende Ursache für alle möglichen Krankheitsbilder gab. Insgesamt konnten im Laufe der Zeit über 100 Krankheiten direkt auf Onanie zurückgeführt werden. Heute wissen wir, wie absurd das war. Nur: Wie war dieser Irrtum möglich? Zum einen, weil sich namhafte Koryphäen aus unterschiedlichsten Gründen beteiligt haben. Zum anderen, weil man eine Methode angewendet hat, die ich „Monodiagnostik“ nenne: Sobald eine Krankheit festgestellt wurde schaut man in die Vergangenheit des Patienten und findet heraus, ob dieser jemals onaniert hat. Ist das der Fall, hat man die Ursache für die körperliche oder psychische Erkrankung gefunden. Fertig. Nun hatte man „wissenschaftliche“ Nachweise für die schädlichen Folgen der Selbstbefriedigung. Es galt vor allem die Kinder zu beschützen, die offenbar besonders gefährdet waren. Das Onanieverbot wurde mit brutalsten Mitteln und Billigung von Kirche, Medizin und Gesellschaft durchgesetzt. Pädagogen, Wissenschaftler und Ärzte, die diese Praxis und die Maßnahmen infrage stellten verloren ihre Reputation. So wagte es keiner aufzubegehren. 200 Jahre wurden Mädchen und Jungen misshandelt. Sie wurden Opfer einer selbstgefälligen Elite und einer unaufgeklärten, leichtgläubigen Gesellschaft. Diese Zeit wirkt bis heute nach. Selbstbefriedigung ist bei Erwachsenen noch immer eine minderwertige Form von Sexualität. Vollkommen zu Unrecht.

Der Effekt der Monodiagnostik wird heute beim Thema Missbrauch und kindliche Sexualität genutzt.  Es ist fast schon Egal, welche Störung ein Mensch aufweist. Sobald dieser in seiner Kindheit eine sexuelle Erfahrung mit einem Erwachsenen hatte ist die Ursache gefunden. So lässt sich „wissenschaftlich“ nachweisen, welche dauerhaften Schäden dieses Erleben verursacht. Mit Fug und Recht nennt man dieses Erleben „Missbrauch“. Die Folgen zeigen eindringlich, dass jede andere Bezeichnung verharmlosend ist. So wird „Missbrauch“ mit allen Mitteln und Billigung von Kirche, Medizin und Gesellschaft bestraft. Pädagogen, Wissenschaftler und Ärzte, die diese Praxis und die Maßnahmen infrage stellten, verlieren ihre Reputation. So wagt es keiner aufzubegehren. Heute sind die Opfer vor allem Pädophile. Und wieder auch Kinder und Jugendliche.

Opfer

Sexuelle Erfahrungen mit einem Erwachsenen oder Jugendlichen führen bei Kindern unter 14 immer zu einem Trauma. Unabhängig von dem, was passiert ist. Unabhängig davon, ob Gewalt angewendet wurde. Unabhängig davon, wie es erlebt wurde. Diesen Vorgang nennt man „Seelenmord“.

Obige Behauptungen sind alle falsch. Sie führen zu unendlich viel Leid. Selbstverständlich kommt es einzig auf das eigene Erleben an. Kinder sind sexuelle Wesen und können Körperlichkeit, Intimität und Sinnlichkeit positiv erleben. Ihnen im Nachhinein Missbrauch einzureden kann traumatisieren. War schon das sexuelle Erlebnis traumatisch, kann es mit einer Therapie aufgearbeitet werden. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Verarbeitung von Gewalterfahrungen von der Form der Gewalt abhängig ist, die erlebt wurde. Der Mensch kann die Hoheit über sein Leben zurückgewinnen.

Die Seelenmordlüge dient unterschiedlichen Zwecken. Opferverbände gewinnen ihre Bedeutung auch über die Anzahl an Opfern, die sie vertreten. Es macht politisch und finanziell einen Unterschied, ob ich für 50, 500 oder 5.000 auftreten kann. Da will man ungern Opfer verlieren. Das gilt selbstverständlich auch für Kinderschutzorganisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, sexuellen Missbrauch zu verhindern. Ihnen hilft es, wenn möglichst viel unter Missbrauch summiert wird. Beide brauchen Aufmerksamkeit auf ihr Thema. Diese erhalten sie durch hohe Zahlen (Dunkelziffern) dramatische Überhöhungen (Seelenmord) und Vereinfachung (Täter = Pädophile). Hilfreich ist es auch, Begriffe zu etablieren, die besonders emotional besetzt sind. Aus Kinderpornografie und Posingfotos werden Missbrauchsabbildungen. Unterschiedliche Tatbestände werden vermengt. Egal ob Porno, Grooming, Hands-On-Delikte: Alles Gewalt gegen Kinder. Diese systematische Eskalationsspirale schadet Kindern, Opfern und Pädophilen. Menschen, die sich mit besten Absichten, oft ehrenamtlich, engagieren, werden bewusst getäuscht und manipuliert. Opfer werden nicht aus der Opferrolle entlassen. Pädophile werden für Taten anderer verantwortlich gemacht.

Interessant auch, dass die Protagonisten für ihr Framing Begriffe der Nazis verwenden. Die Seelenmordidee entstammt einem Beitrag im „Stürmer“ (antisemitische Zeitung 1923 – 1945). Auch da ging es um Ausgrenzung, Stigmatisierung und Kriminalisierung.

Digitale Opfer

Das Wissen, dass pornografisches Material von mir in Umlauf ist, kann mich psychisch außerordentlich belasten. So belasteten Menschen zu sagen, wir tun alles, um zu verhindern, dass dieses Material weiter verfügbar ist, hört sich gut an. Allein, es wird nicht gelingen und weckt falsche Hoffnungen. Genauso wenig, wie es bei anderen Daten, die in die digitale Welt gegeben wurden, gelingt, diese vollständig zu entfernen.

„Die Betroffenen werden immer wieder zum Opfer, “und zwar „ein Leben lang”.“ Diese Darstellung knüpft nahtlos an die unhaltbare Theorie vom „Seelenmord“ an. Beides sind erfundene Behauptungen. Selbstverständlich kann Betroffenen mit einer Therapie geholfen werden. Was natürlich nicht geht, wenn diesen wieder und wieder eingeredet wird, das ginge nicht.

Öffentlichkeit / Anonymität

Schon der Verdacht, pädophil zu sein zerstört das Leben der Betroffenen. Weitgehend unabhängig von der Frage, ob der Verdacht zutrifft, verliert man ggf. die Familie, Freunde, Bekannte und die Arbeit. Seine gesamte Existenz. Lediglich in der Anonymität des Internets gibt es Kontaktmöglichkeiten. Dies kann reale Kontakte allerdings nicht ersetzen. Das Problem, sich mit anderen Menschen in derselben Lage auszutauschen, entsteht vor allem aus der Tatsache, dass ein Anfangsverdacht ausreicht, um eine Hausdurchsuchung und damit einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zu rechtfertigen. Der Anfangsverdacht begründet sich im Zweifel schon mit der Annahme der Pädophilie. Ausgelöst werden kann dieser also schon, wenn man über die IP Adresse als Chatteilnehmer ermittelt wird. Üblicherweise wird vor der Weitergabe von persönlichen Informationen, die zu einer Identifizierung beitragen könnten, gewarnt. So sollte man bspw. nicht seinen Wohnort nennen oder den Beruf. Auch vor realen Verabredungen wird gewarnt. Aus diesem Grund gibt es nur wenig persönliche Kontakte und keine realen Selbsthilfegruppen. Zu groß ist die Angst, in den Fokus der Behörden zu geraten. Oder sich mit einem Anti zu verabreden. Menschen die ihren „Fang“ den Behörden ausliefern oder ihren Hass durch Gewalt ausleben. Man sich also der Körperverletzung oder Schlimmerem aussetzt. Treffen in der analogen Welt sind damit fast ausgeschlossen oder mindestens hoch risikobehaftet. Im Ergebnis eine Aufspaltung der Persönlichkeit. Eine nach außen wahrnehmbare, von der Gesellschaft geachtete und eine verborgene, einsame, die nur geheim existieren darf weil sie die Erste bedroht. Der mögliche Verlust der gesellschaftlichen Existenz ist allgegenwärtig. Die, die echte Kontakte haben, können berichten, wie bereichernd und stabilisierend diese sind. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt den Aufwand.

Vollkommen fassungslos macht der Umgang des Staates und der Medien mit selbsternannten Pedojägern. Menschen, die das „Recht“ in die eigene Hand nehmen und Selbstjustiz verüben. Weil die Politik ja „nichts macht“. Wobei es einer ausgeprägten Verdrängung bedarf um diese Behauptung aufzustellen. Ständige Verschärfungen und das überbordende Erfinden neuer Straftatbestände sprechen eine andere Sprache. Während auf der eine Seite grund- und hemmungslos gegen Menschen vorgegangen wird, wird auf der anderen Seite nichts unternommen. Halbherzige Hinweise der Polizei auf das unrechtmäßige Verhalten werden praktisch immer begleitet von Verständnis für diese Täter, die Menschen krankenausreif schlagen und auch mal töten. Es wird höchstens beklagt, dass die Laienermittler eigene Ermittlungen erschweren. Damit werden Pädophile zum Freiwild. Das AGG, das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, nimmt Pädophile ausdrücklich vom Schutz aus. Das sendet ein Signal in die Gesellschaft. Menschen, die nichts verbrochen haben, außer zu sein, was sie sind, werden schutzlos dem Mob ausgeliefert. Dürfen in jeder Form diskriminiert werden.

Pädophilie als Waffe

Das Schwert Pädophilie ist so scharf, dass es in der Wirtschaft gegen Widersacher eingesetzt wird. Nachgewiesenen im Fall des Filialleiters der HSH Bank in New York, Roland K., von dem sich die Bank wegen unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung trennen wollte. Man fand auf seinem Rechner in New York Links zu Kinderpornografie. Links! Keine Bilder. Damit war seine Karriere beendet, Freunde und Familie wandten sich ab. Später wurde festgestellt, dass man ihm die Daten untergeschoben hat. Während die Presse den Namen seines Kollegen, dem man Geheimnisverrat untergeschoben hatte um ihn loszuwerden, vollständig nennt (Vorstand Frank Roth) wird der Name von Roland K. nicht vollständig genannt. Und das hat leider einen guten Grund. Bekannt sind diese Methoden aus Zeiten, in denen Homosexualität ehrenrührig war. Auch hier wurden die Folgen, die schon der Verdacht auslöst, bewusst genutzt. Beispielsweise bei dem damaligen stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber Europas, Günter Kießling, dem Erpressbarkeit wegen seiner angeblichen Homosexualität vorgeworfen wurde. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es bestimmten Interessen in die Hände spielt, wenn Pädophilie stigmatisiert bleibt.

Sicht der Bürger auf Pädophile

Die nicht repräsentative Mikado-Studie aus 2015 hat ergeben, dass dreiviertel der Menschen, Pädophile eingesperrt  sehen wollen. Auch ohne Tat. Wie soll man das ertragen? Und man erfährt es auch im Alltag. In Gesprächen, wenn gerade mal wieder etwas passiert ist oder in fetten Überschriften der Bild. Dabei ist es egal, ob tatsächlich ein Pädophiler beteiligt ist oder nicht. Ich halte die Situation, in der wir Pädophile leben lassen, für zutiefst unmenschlich. Meiner Meinung nach verstoßen wir gegen Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ In meinen Augen liegt hier Staatsversagen vor. Als Gesellschaft sollten wir uns fragen, welches Angebot wir den betroffenen Menschen machen können. Zurzeit erwarten wir alles und geben nichts.

Ersatztäter

Anzumerken ist hier, dass viele Menschen aus dieser Gruppe als pädophil wahrgenommen werden, obwohl sie das nicht sind. Diese geschieht nicht nur durch Staatsanwaltschaften und Medien. Reflexhaft wird sexualisierte Gewalt gegen Kinder von fast allen mit Pädophilie gleichgesetzt. Ein schwerwiegender Irrtum. Leider gibt es keine verlässlichen Studien.

Gerade bei Ersatztätern stellt sich also die Frage, wie wir verhindern können, dass es zu den Taten kommt. Das aktuelle Konzept aus Stigmatisierung und Strafe funktioniert jedenfalls nicht. Wir brauchen dazu eine fachliche und gesamtgesellschaftliche Debatte. Wir müssen Geld in die Hand nehmen. Wir müssen da hingehen, wo Missbrauch stattfindet. Wir brauchen tragfähige Konzepte die helfen, Gewalt zu verhindern und wir müssen den Menschen, die ein Gewaltproblem haben, helfen. Weil es unsere Pflicht ist, ihnen zu helfen, nicht weil wir großzügig sind. Am Ende haben wir durch unser bisheriges Verhalten als Gemeinschaft das Erleben nicht verhindern können, das diese Gewalt erzeugt hat.

Wir sind geprägt vom Christentum, in dem Wolllust eine der sieben Todsünden ist. Sexualität dient der Fortpflanzung, ist mithin ein Produktionsmittel. Heute ist Sexualität wichtiger Teil des Verkaufsprozesses. Pornografie folgt dem kapitalistischem Ansatz des „höher, weiter, besser“. Dies führt zu Versagensangst und Frustration. Wir sind nicht in der Lage offen über unsere Probleme und Wünsche zu sprechen. Nicht in der Öffentlichkeit, nicht mit unseren Partnern, nicht mit unseren Kindern. Immerhin hat die sexuelle Befreiung viel erreicht in Bezug auf die Vielfalt der tolerierten Orientierungen.

Der Begriff „Ersatztäter“ ist einer Betrachtung wert. Während man sich bei Pädophilen möglichst drastischer Begrifflichkeiten bedient, findet sich hier ein unverfängliches Wort. Ersatz kennen wir aus zahlreichen alltäglichen Situationen. Zuckerersatzstoffe, Ersatzteile, Ersatzlieferung u.s.w.. Besonders emotional ist der Begriff nicht. Weder ins Positive noch ins Negative. Das kann Zufall sein. Oder schlichtweg daran liegen, dass die betroffen Personen überwiegend heterosexuelle Menschen sind. Hier eine zu emotionale Bezeichnung zu wählen würde möglicherweise negativ auf die Gesamtgruppe rückwirken. Zudem würde es die Schuldzuweisung an eine klar umrissene Gruppe aufweichen. Wenn Gewalt gegen Kinder nicht mehr an eine Andersartigkeit geknüpft ist, dann ist der Schutz von Kindern nicht mehr durch Stigmatisierung und Ausgrenzung herstellbar. Wir bräuchten eine gesamtgesellschaftliche Diskussion zu Erziehung und Gewalt. Das ist von der Mehrheit weder gewollt noch von Parteien plakativ in Wahlprogrammen darstellbar. In einer immer komplizierter erscheinenden Welt sind es die einfachen Gleichungen, die Sicherheit vermitteln: Pädophil = Böse, Hetero = Gut.

Gewalt gegen Kinder

Gewalt lässt sich nicht aufrechnen. Und ja, jedes Gewaltopfer ist ein Opfer zu viel. Und doch lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Denn sie decken die Übertreibungen auf und zeigen die Verlogenheit der meisten Akteure.

Gewalt gegen Kinder findet in Deutschland millionenfach statt. Genauer gesagt: 2,8 Millionen Mal. Täglich. Ohne Pause. Im Gegensatz zu „Missbrauchsopfern“ haben diese keine Lobby. Die Gewalt, die sie erfahren ist: Armut. Armut erfüllt praktisch keine der Voraussetzungen um erfolgreiche Verbände, Organisationen oder Vereine zu gründen. Armut ist eben nicht sexy.

Weltweit ist das Problem noch größer: 160 Millionen Mädchen und Jungen sind nach aktueller Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF Kinderarbeiter. Da wir alle am Ende in irgendeiner Form von dieser Arbeit profitieren, finden sich auch hier unangemessen wenig Kinderschützer.

Wer das Verbot des Besitzes von kinderpornografischem Material rechtfertigt, weil da Kinder ausgebeutet werden, der muss sein Smartphone entsorgen. Es ist praktisch sicher, dass dafür ein Kind in einer Mine missbraucht wurde. Ganz konkret. Ganz direkt. Folgt man in diesem Fall der Argumentation, die bei Pornografie angewendet wird, dann ist es nicht mal in Ordnung das Bild eines Smartphone anzusehen oder ein Gespräch zu führen, an dem ein Smartphone beteiligt ist.

Es gibt noch viele weitere Beispiele dieser praktischen Blindheit. Allen gemein ist: Wir können und wollen uns damit nicht wirklich beschäftigen. Es betrifft unser Verhalten, unseren Komfort oder unser Portemonnaie. Wie schön für mein Gewissen, wenn ich als Ausgleich für mein unverantwortliches Verhalten gegen Pädophile wettern kann. (Anmerkung des Verf.: Ich habe ein Smartphone. Ich bin kein besserer Mensch, ich bin ein Mitschuldiger.)

Fazit

Nimmt man alles zusammen, bleibt dem Pädophilen zur Befriedigung seiner Wünsche nicht viel. Zum Glück finden Menschen immer Möglichkeiten ihre Lebensträume nicht aufzugeben. Die Gesellschaft wäre sie am liebsten los. Dies erinnert an die gescheiterten und inhumanen Versuche, „nicht gesellschaftskonforme“ Menschen dauerhaft aus der Gesellschaft zu entfernen, indem man sie schlicht in Einrichtungen sperrt, nach Australien verfrachtet oder auf anderem Wege unsichtbar macht. Damit berichtet die soziale Gemeinschaft: Wir negieren, dass es Pädophilie gibt. Wir wollen nicht anerkennen, dass sie Teil unserer Gesellschaft sind. Und wir suchen nicht nach Möglichkeiten, diese Anerkennung herzustellen, im Gegenteil. Durch das (soziale) Entfernen Pädophiler sagt die Gesellschaft auch, dass „die Pädophilen“ ja das Problem haben, nicht die Gesellschaft. Dabei brauchen wir dringend einen selbstverständlichen, entspannten Umgang mit Sexualität. Es täte allen gut.

Wir brauchen eine neue Sicht.

QUELLEN

https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/sexualitaet/feminismus-und-sexualitaet.html

https://www.rtl.de/cms/dreijaehrige-kindersexpuppen-wer-zur-hoelle-braucht-das-2958224.html

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/risiko-ego-shooter-vom-computerspiel-zum-amoklauf/13925946.html?ticket=ST-1596935-6zeNfbIAaRe9SeabKCTd-ap2

https://www.deutschlandfunk.de/ego-shooter-stumpfen-die-spieler-nicht-ab.676.de.html?dram:article_id=237362

https://psylex.de/psychologie-lexikon/medienpsychologie/computerspiel-aggression.html   http://trennungmitkind.com/krieg-ums-kind/vorwurf-kindesmissbrauch

https://de.wikipedia.org/wiki/Konversionstherapie

https://de.wikipedia.org/wiki/Kie%C3%9Fling-Aff%C3%A4re  https://www.otto-brenner-preis.de/fileadmin/user_data/preis/02_Preisjahrgaenge/2011/Preistraeger/2_Preis_HSH_Artikelserie.pdf

https://www.kein-taeter-werden.de/

Klaus M. Beier, Psychotherapie Manuale, Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch

Filip Schuster, Creative Commons, 1 Prozent – nicht 50 Prozent, Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zum Anteil der „pädophilen“ Männer am „sexuellen Kindesmissbrauch“

Mark Norlik, Tabuzone, Wissenschaftliche Erkenntnisse und ethische Grundsätze zum Umgang mit kindlicher Sexualität und Pädophilie

Felix Kaiser, Lexikon der Pädophilie-Irrtümer

Katrin M. Kämpf, Pädophilie. Eine Diskursgeschichte (2021)

Jan Maier, Einblicke in die Welt der Kinderpornographie – Aus der Sicht von russischen Pädophilen (2011)

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