Gewisse Richter

[ Autor von diesem Artikel: Mad Mushroom ] [ Verfasst am 19 Juli 2022 ]

Da sitzen sie nun hinter Ihren Schranken

und schlängeln sich durch einen Paragraphenwald.

In ihren Aktenkundigen Gedanken nimmst du nie Form an und Gestalt.

 

Du bleibst ein schemenloses Wesen,

gezeugt aus Tinte und Papier,

du bist von dann bis dann in X gewesen

und stehst nun wegen dem und jenem hier.

 

Sie kennen alle Zusatzkommentare,

auch die Entscheidung eines Reichsgerichts.

Du bist für sie nur Paragraphenware,

ein Fall, ein Faktum, kurz: ein Nichts.

 

Nach einer kurzen Zigarettenpause

widmen sie sich schon dem Aktenzeichen Nummer Hundertdrei

und fahren abends sehr vergnügt nach Hause,

denn mittwochs gibt es Eisbein mit Kartoffelbrei.

 

Vielleicht addieren sie noch schnell die Jahre,

die sie verhängt an diesem Tag,

so wie der Kaufmann die verkaufte Ware

und sind zufrieden mit dem Reinertrag.

 

Den Menschen haben sie schon längst vergessen,

sie sprechen höchstens noch von einem Fall,

dann bringt das Mädchen schon das Essen.

 

Das nächste Thema ist der Faschingsball.

 

Vielleicht sind sie mit diesem Tag zufrieden

und sind’s am nächsten Morgen noch,

dann wird auch dir ein Teil von diesem Glück beschieden:

 

Du gehst zwei Jahre weniger ins Loch.

 

Doch wehe, wenn sie schlecht geschlafen

und kommen mißgelaunt zum Amtstermin,

dann werden sie dich für den schlechten Schlaf bestrafen,

Du kannst zwei Jahre mehr ins Zuchthaus zieh’n.

 


 

Quelle/Buch:  Besuche in Sackgassen, Peter Schult, Männerschwarm Verlag, Seite 122 – 123

 

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