Niederlande: Willkür und ein Todesfall

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 29 April 2022 ]

Am 19. April 2022 verstarb der niederländische Anthropologe und Soziologe Gert Hekma überraschend im Alter von 70 Jahren. Hekma arbeitete von 1984 bis 2017 als Professor für Schwulen- und Lesbenforschung an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Amsterdam. Er setzte sich auch für die Entkriminalisierung pädo- bzw. hebephiler Sexualität ein und engagierte sich gegen das Verbot der Verenigung MARTIJN. In zahlreichen Veröffentlichungen und Interviews kritisierte er den heutigen gesellschaftlichen Umgang mit Pädosexualität und kindlicher Sexualität. Vor einigen Wochen wurde der niederländische sexualpolitische Aktivist Ad van den Berg (PNVD/MARTIJN) abermals Opfer eines willkürlichen staatlichen gewalttätigen Übergriffs in Form einer Wohnungsschändung (Hausdurchsuchung). Alles weitere im folgenden Artikel.

Unter anderem war Gert Hekma im Jahr 2014 war Hekma Mitbegründer einer Petition, in der er den Obersten Gerichtshof der Niederlande aufforderte, die sexualpolitische Vereinigung MARTIJN nicht zu verbieten. Weitere Artikel im Kontext der politischen und “strafrechtlichen” Verfolgung der sexualpolitischen Menschenrechtsaktivisten der Vereinigung MARTIJN finden sich am Ende dieses Beitrags.  2007 unerstützte Gert Hekma die Umsetzung einer Initiatve eines Bootes für schwule Jugendliche auf der Amsterdam Gay Pride. Dieser Plan entstammte der Idee eines 14-jährigen schwulen Jungen, der nach niederländischer Gesetzgebung noch als Kind gilt. (absolutes strafrechtliches “Schutzalter” 16 Jahre) . Nachfolgend nun einige Auszüge von Reaktionen zum Tod von Professor Gert Hekma:

 

Ich habe gerade erfahren, dass am 19. April der niederländische Anthropologe und Soziologe Gert Hekma überraschend verstorben ist. Er wurde 70 Jahre alt. Hekma unterrichtete von 1984 bis 2017 Schwulen- und Lesbenforschung an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Amsterdam. Er befasste sich dabei auch mit der Geschichte der (Homo-)Sexualität. Angeeckt ist er mit seinen Wortmeldungen zu Pädophilie (…) ch habe gerade erfahren, dass am 19. April der niederländische Anthropologe und Soziologe Gert Hekma überraschend verstorben ist. Er wurde 70 Jahre alt. Hekma unterrichtete von 1984 bis 2017 Schwulen- und Lesbenforschung an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Amsterdam. Er befasste sich dabei auch mit der Geschichte der (Homo-)Sexualität. Angeeckt ist er mit seinen Wortmeldungen zu Pädophilie (…) Die niederländische Wikipedia beschreibt ihn als Teil der akademischen Gegenkultur. Hekma ist der Sohn eines Notars und wuchs im niederländischen Bedum auf. Er war häufiger Besucher der DOK- Schwulendisco und Mitglied der radikalen „Roten Schwuchteln“ (niederländisch: „Rooie Flikkers“). (…) Hekma ist der Sohn eines Notars und wuchs im niederländischen Bedum auf. Er war häufiger Besucher der DOK- Schwulendisco und Mitglied der radikalen „Roten Schwuchteln“ (niederländisch: „Rooie Flikkers“). (…) 2007 erhielt er Morddrohungen, nachdem er die Idee unterstützt hatte, ein Boot für Jugendliche bei der Amsterdam Gay Pride einzubauen. Im Jahr 2014 war Hekma Mitbegründer einer Petition an den Obersten Gerichtshof der Niederlande , in der er den Obersten Gerichtshof der Niederlande aufforderte, die Pro-Pädophilie- Vereinigung Vereniging MARTIJN nicht zu verbieten. Seine Unterstützung von MARTIJN führte zu Morddrohungen und einem versuchten Einbruch. (…) Hekma war eine für die niederländische Pädo-Szene wichtige Persönlichkeit. Obwohl und vielleicht auch weil er selbst nicht pädophil war. Dass er die niederländische Pädo-Szene / -Bewegung oft unterstützt und verteidigt hat, war das Ergebnis seiner den Menschen verpflichteten Moral im Gegensatz zu einer den Fesseln der Sittlichkeit verpflichteten Moral, für die es kein Problem ist, wenn dafür Menschen unter die Räder kommen. (…) Er war ein kluger Denker, der sich sowohl für Kinder und Jugendliche und ihr Recht auf Sexualität als auch für Pädophile eingesetzt hat. Jemand, der sich dem erheblichen Druck, den es in späteren Jahren auf ihn gab, nicht gebeugt hat, weil er den toxischen Moralismus hinter dem Druck erkannt hat und Solidarität für moralisch geboten hielt. Hekma spricht (…) das an, was ich als Toxisches Gleichheitsdogma bezeichnen würde. Ungleichheit wird mit Missbrauch gleichgesetzt. Auf die tatsächliche Ausnutzung von Ungleichheit kommt es nicht mehr an. (…) Er und sein Lebensgefährte, Soziologe Mattias Duyves (1953), sind seit mehr als vierzig Jahren zusammen. Sie trafen sich 1977 und heirateten 2007. Beide setzen sich für sexuelle und Beziehungsfreiheit ein. (…)

 

Quelle/vollständiger Text: Pädoseite – Gert Hekma gestorben

 

Vor drei Tagen schrieb Gert per E-Mail: “Schrecklich über diese Anschuldigungen und Strafen.”

In den letzten Jahren litt Gert unter Schwindel. Grund dafür ist eine leichte Hirnblutung. Äußerlich wollte er nicht, dass alle das wussten. Doch sein Tod kommt ziemlich plötzlich und unerwartet. Denn abgesehen von Schwindel war die Gesundheit nicht schlecht. Soweit ich weiß damals. Er sei gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, hatte er vor drei Tagen gemailt.

Ich habe Gert Hekma vor etwa 25 Jahren kennengelernt. Es war während einer Debatte über Pädophilie und die Altersgrenzen im Sittengesetz. Ich glaube, diese Debatte fand in der Pauluskerk in Rotterdam statt. (Oder war es in einer Kirche in Amsterdam?) Er sprach ohne Scham über die Abschaffung dieser Altersgrenzen. So frei, dass niemand in der Gesellschaft damit ein Problem hätte. Er wollte besondere Orte, eine Art Jugendzentrum, wo Jugendliche und Kinder ungehindert Sex haben konnten, mit wem sie wollten. Gert war vor einigen Jahren in den Ruhestand getreten. Er war ein Hochschullehrer für schwule Studien. Später wurde das allgemeiner beschrieben und mit Gender oder ähnlichem erweitert. Gert war bereits in jungen Jahren in den Rooie Flikkers aktiv, einer „radikalen“ schwulen Aktivistengruppe. Radikal in den Augen des Durchschnittsbürgers. Denken Sie daran, dass jeder schwule Aktivist der Vergangenheit standardmäßig “radikal” war. In Gerts letzten Jahren bei der UvA musste er sich mit der Abbruchkultur auseinandersetzen. Gert durfte bei seinen Vorlesungen auf Anweisung der Uni-Leitung/..(Ich stimme Gert Hekma zu, dass die moralischen Gesetze verschwinden sollten nicht mehr zum Thema Pädophilie sprechen. Er selbst sagte mir, ich solle mich nicht darum kümmern, aber es spiegelt immer noch die Kultur unserer zeitgenössischen Universitäten wider. Diskussionen über Debatten und wissenschaftliches Arbeiten sind tabu. Die vorherrschende Meinung ist absolut. Und das an einer Uni!

 

Quelle/vollständiger Text:  Marthijn Uittenbogaard: Gert Hekma overleden  (niederländisch)

 

Ich traf Gert Hekma am 11. Mai 2015 während meiner ersten Vorlesung an der Universität Amsterdam. Hekma war mir damals völlig unbekannt, aber er sollte eine große Inspiration für mein Denken und mein Handeln in den folgenden Jahren werden.

Ich habe bei seinen Vorträgen über Pädophilie und Homosexualität und während der Mosse-Vorlesung 2017 jedes Wort von ihm aufgesaugt. Hekma war ein Pionier der Bewegung für sexuelle Minderheiten. Geschichten über die Roten Fagots haben mich persönlich dazu inspiriert, in meinem Aktivismus mutig zu sein und keine Angst vor Gewalt zu haben. (…) Ich kam 2017 zum ersten Mal zu ihm nach Hause und habe seitdem einige sehr anregende Gespräche mit ihm geführt. Er bot mir einmal einen sicheren Hafen an und ich blieb ein paar Tage bei ihm zu Hause. ekma hat mein Leben und das vieler anderer sehr inspiriert. Sein Einfluss auf die Bewegung sexueller Minderheiten ist beispiellos. Er wird immer bei mir bleiben.

 

Quelle/vollständiger Text:   Nelson Maatman – Gert Hekma

 

Am 13. April 2022 wurde der niederländische sexualpolitische Aktivist Ad van den Berg (PNVD/Verenigung MARTIJN) an seinem Wohnsitz in  Haarlem (Niederlande) abermals Opfer einer willkürlichen Wohnungsschändung (Hausdurchsuchung) durch die verbrecherische niederländische Staatsgewalt. Bei dieser “strafrechtlich” anlasslosen erheblichen Menschenrechtsverletzung  wurden drei Computer,  mehrere Festplatten und das private Mobiltelefon von den Hexenjägern geraubt. Auch in den Niederlanden wird die “Auswertung” lange Zeit in Anspruch nehmen. Diese Wohnungsschändung erfolgte aufgrund einer Besonderheit im niederländischen “Strafrecht”.  Nach einer politischen Haft von 16 Monaten stand Ad van den Berg noch bis Ende April unter “Bewährung” und während dieser Zeit kann die niederländische Justiz ohne weiteren Anlass “Kontrollen” in Form von Hausdurchsuchungen durchführen. Computer und Datenträger können hierbei auch vor Ort “untersucht” werden. Dazu waren die Menschenrechtsverletzer hier offensichtlich zu faul.  In der politischen Haft wurde der 78jährige zudem schwer herzkrank, worauf die Staatsterroristen offensichtlich auch keine Rücksicht nehmen.  Nach diesem Überfall ist durchaus mit der Konstruktion eines weiteren “strafrechtlichen” politischen Verfahren zu rechnen und auch eine erneute Verhaftung kann nicht ausgeschlossen werden. Der politisch motivierte Vernichtungswille des niederländischen Unrechtsstaates wird hier wieder auf widerliche Art offensichtlich nachdem anderen Aktivisten bereits die Niederlande verlassen haben um weiteren menschenrechtswidrigen Inhaftierungen zu entgehen. Soweit es Neuigkeiten gibt, wird hier weiter berichtet werden. Mit Ad van den Berg stehen wir im laufenden persönlichen Kontakt. Für weitere Informationen siehe auch hier:

 

Wenn die Wahrheit zum Verbrechen wird…

Politischer Schauprozess in den Niederlanden: Freiheitsstrafen ohne Bewährung und Phantomfreispruch (aktualisiert)

Gerichtsverfahren-Martijn: Reaktion von De Jonge auf das kommende Urteil am 8. März 2022

Politischer Schauprozess in den Niederlanden

Niederlande – wenig Licht viel Schatten

Politische Verfolgung von Menschenrechts-Aktivisten in den Niederlanden setzt sich fort

Licht und Schatten in den Niederlanden

Verhaftung und Einkerkerung eines weiteren Menschenrechts-Aktivisten in den Niederlanden

Menschenrechtsaktivisten in den Niederlanden: Groteske Vorwürfe und ein Mordanschlag

Wenn die Staatsgewalt wütet…

Sommerloch – kleine Sommerpause 2021 und politische Verfolgung und Justizverbrechen in den Niederlanden (aktualisiert)

Sexualdemokratie und die Ausgrenzung der Jungenliebhaber…

Kinder und Sexualität – Ein Interview

PNVD – Parteiprogramm Übersetzung

 

 

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