Aufruf zum Schutz unserer Kinder und unserer Freiheiten

[ Autor von diesem Artikel: DerTraum ] [ Verfasst am 01 März 2019 ]

Dies ist die Erklärung einer freien Gruppe von Erziehern, Beschäftigten im Gesundheitswesen, Bewährungshelfern und anderen sozial engagierten Personen aus Boston und Umgebung. Der Aufruf wird zur Diskussionsanregung und Unterzeichnung an weitere Privatleute und Organisationen versandt. Wir hoffen, dass auch Andere den Aufruf übernehmen oder dass sie – jeweils auf ihre Situation bezogen – eigene Erklärungen formulieren.

Als Menschen, denen es um das Wohlergehen der Kinder und um eine gerechte Gesellschaft geht, erheben wir unsere Stimme. Wir wenden uns gegen die besorgniserregende Zielrichtung der derzeitigen Kampagnen zum Schutze der Kinder vor unklar definierten sexuellen Gefahren, durch welche viele Verhaltensweisen kriminalisiert und Menschen zu Sündenböcken abgestempelt werden. Diese Kampagnen verkennen häufig die Tatsachen der Sexualität von Kindern und Jugendlichen und verwechseln manchmal Zuwendung mit Gewalt. Sie lenken von weit schwerwiegenderen Formen der Gewalt gegen Kinder und junge Leute ab und untergraben wesentliche Freiheiten von Allen. Die gegenwärtige Hysterie lässt jeden, der eine nachdenklichere Diskussion vorschlägt, Gefahr laufen, als Kindesmissbrauer abgestempelt zu werden. Im Bestreben, Kinder sowohl zu schützen als auch ihr Selbstbewusstsein zu stärken und gleichzeitig eine freie Gesellschaft zu verteidigen, bestehen wir auf einer vernünftigeren Herangehensweise, die auch durch Mitgefühl geprägt ist.

· Meistens hat Kindesmisshandlung nichts mit Sex zu tun. Es ist wichtig, sich gegen den wirklichen sexuellen Missbrauch auszusprechen, der allzu häufig innerhalb der Familien und deren Umfeld ignoriert wurde und verborgen blieb. Nicht sexuelle Gewalt und nicht sexuell motivierte Kindesmorde sind aber ebenso schwerwiegend wie sexuell motivierte Gewalttaten. Armut, Unterernährung, ethnische Diskriminierung, mangelhafte Erziehung und ungenügende Gesundheitsfürsorge sind alles Formen des Missbrauchs, die Millionen junger Menschen in unserem reichen Land bedrohen. Trotzdem gibt es keine nationale Verpflichtung, diese weit verbreiteten und tödlichen Schädigungen von Kindern Einhalt zu gebieten. Statt dessen wird unsere gesamte Aufmerksamkeit von jedem Fall gefangengenommen in dem Sex eine Rolle spielt.

· Die derzeitigen Kampagnen gegen Kindesmissbrauch machen geringe oder gar keine Unterschiede zwischen verschiedenartigsten Verhaltensweisen und Umständen. Dabei wird Sex stets mit Gewalt gleichgesetzt und Siebzehnjährige gelten als Kinder. Die brutale Vergewaltigung eines sechsjährigen Mädchens durch ihren Vater; die freiwillige sexuelle Beziehung zwischen einem vierzehnjährigen Jungen und einer dreißigjährigen Frau; eine Affäre zwischen einem achtzehnjährigen Jungen und einem sechzehnjährigen Mädchen: Dies sind ganz klar sehr verschiedene Fälle.
Nichtsdestoweniger werden sie alle vor dem Gesetz und von den Medien als Vergewaltigungen hingestellt. Wir glauben nicht daran, dass liebevolle und einvernehmliche Sexualität das Gleiche ist wie Vergewaltigung. Sie gleichzusetzen heißt Vergewaltigung zu verharmlosen. Außerdem scheinen in Sexfällen mit Kinder harte Beweise unnötig zu sein: die Beschuldigung reicht aus. Eigentümlich erscheint es auch, dass wir von immer älteren Jugendlichen als Kinder sprechen, wenn es darum geht, sie vor sexuellem Missbrauch zu schützen, wogegen wir immer jüngere Kinder als Erwachsene betrachten, wenn sie eines Verbrechen bezichtigt wurden.

· Es ist falsch irgendeine Menschengruppe zu dämonisieren und ihr die Menschlichkeit und Besserungsfähigkeit abzusprechen. Die heutigen Gesetze stempeln jeden der die Schutzaltersgrenzen nicht beachtet zu einem ´Kinderschänder´, selbst wenn weder Gewalt noch Zwang eine Rolle spielen und selbst dann, wenn die jüngere Person nur einen Monat oder einen Tag von der Schutzaltersgrenze entfernt ist. Zusätzlich führen die weitverbreitete Angst vor- und der Hass gegen Homosexualität zur klischeehaften und häufig falschen Brandmarkung schwuler Menschen als Kindesmissbraucher. Dämonisierung ist zerstörerisch, selbst dann wenn sie sich auf wirkliche Gewalttäter bezieht.
Die, die sexuelle Gewaltverbrechen begehen, kommen nicht aus einem Vakuum. Sie kommen aus der Mitte und unseren Familien. Die weitverbreitete Botschaft ist aber, dass die Hauptgefahr für die Kinder der Fremde ist, der auf sie lauert, der Pädophile den wir entlarven und ausgrenzen können. In Wirklichkeit finden die meisten sexuellen Kontakte zwischen Erwachsenen und Minderjährigen im Kreis der Familie und Freunde statt. Gefährliche Täter als völlig anders uns selbst zu betrachten, verhindert dass wir die wahren Wurzeln solcher Verbrechen erkennen. Eine andauernde Stigmatisierung macht nicht nur eine Reintegration derer die sich selbst rehabilitiert haben, in die Gesellschaft unmöglich, sie signalisiert auch einen Zusammenbruch der bürgerlichen Werte.

· “Schützt unsere Kinder” war einer der Schlachtrufe der die Zwangsmaßnahmen des Staates ausweiten und Inhaftierungen erleichtern sollten. Die letzten beiden Jahrzehnte haben viele neue Formen staatlicher Repression im Namen des Kinderschutzes erlebt: Es gibt umfassende neue Zensurgesetze; Register zur lebenslangen Verfolgung und öffentlichen Anprangerung von Menschen; öffentliche Absichtserklärungen, diejenigen einzusperren, welche zwar nicht eines Verbrechens überführt aber als gefährlich eingeschätzt werden; lebenslange Bewährungsauflagen für Sexualstraftäter in einigen Staaten und obligatorisches Lebenslänglich ohne die Möglichkeit zur Entlassung bei Wiederholungstaten; Ermächtigung der Polizei in manchen Rechtsprechungen zur Gesinnungsschnüffelei, um jene, die Inhaftiert oder auf Hafturlaub oder in Hausarrest sind, mit obligatorischen Lügendetektortests und Aversionstherapien zu überwachen: gesetzliche Verpflichtung zur Berichterstattung, die Ärzte und Therapeuten zu Agenten des Staates machen; Einschränkungen der Versammlungsfreiheit; Extra-Territorialität, die es erlaubt, Bürger für Taten außerhalb ihres Staates oder Landes zu verfolgen, selbst wenn ihre Taten unter der anderen Rechtsordnung legal sind. Diese Angriffe auf die bürgerlichen Freiheiten konnten passieren, weil so wenige das Risiko eingehen wollten, als milde gegen Kinderschänder angesehen zu werden. Unserer Meinung nach sind bürgerliche Freiheiten unteilbar. Wir meinen, dass längere Haftstrafen, härtere Vollzugsbedingungen oder die Rufe nach der Todesstrafe lediglich die Gewalt verlängern und eskalieren lassen. Repressive Staatsmethoden können nicht fein säuberlich nur die schlechten Menschen treffen. Sie bedrohen uns alle.

· Der Einfluss und die Unberechenbarkeit der Gesetze und der Einstellung, welche durch diese Kampagnen hervorgebracht wurden haben eine zerstörerische Barriere zwischen Erwachsenen und Kindern aufgebaut. Gegenwärtig haben fürsorgliche Eltern allen Grund zur Befürchtung, dass jede ihrer Zärtlichkeiten als Missbrauch gebrandmarkt wird. Diese Furcht bewirkt, dass Erwachsene – seien es Eltern, Lehrer oder Fremde – häufig das, was alle Kinder mit am meisten benötigen oft zurückhalten, nämlich die liebevolle und respektierende Zuwendung.

· Die wahre Herausforderung bestünde darin, Programme für Kinder und Jugendliche zu fördern und aufzubauen, die engagierte, liebende, rücksichtsvolle und ganzheitliche Menschen hervorbringen. Dazu gehören Kinderhorte, Schüler – Nachmittagsbetreuungen, sexualitätsbejahende Sexualerziehung und bessere Ausbildung und Bezahlung für die, die mit Kindern arbeiten. Das Ziel all dieser Programme sollte es sein, junge Leute zu befähigen, ihre eigenen Entscheidungen über ihr Leben selbständig fällen zu können. Kinder und Jugendliche sollten sich selbst nicht als mögliche Opfer sehen sondern als Teil einer Gemeinschaft, die sie unterstützt und nährt, sie ermutigt, für sich selbst zu sprechen und aus eigenem Antrieb verantwortlich zu handeln. Wir wollen, dass Kinder das Leben lieben und nicht dass sie es fürchten. Wenn das wahr werden soll, muss es Erwachsene geben, die mutig genug sind, einen ehrlichen und konstruktiven Zugang zu Jugend und Sexualität zu finden und ein Ende der vorherrschenden Hysterie zu fordern. Nur dann werden wir dazu fähig sein, jene Freiheiten zu schützen, die wir zu unserer vollen Entfaltung alle benötigen.

Dieser wichtige Text wurde von folgender Webseite übernommen
https://www.ipce.info/ipceweb/Statements/aufruf_zum_schutz_unserer_kinder.htm

Boston MA/USA, im Juni 1998

Gezeichnet
Dr. Richard Pillard, Professor für Psychiatrie, Boston University Medical Center; Paul Shannon, Erzieher; Cathy Hoffmann, Friedensaktivistin; Chris Tilly, Wirtschaftsprofessor, University of Massachusetts at Lowell; Marie Kennedy, Professorin für Stadt und Gemeindeplanung; Eric Entemann, Mathematikprofessor; Tom Reeves, Professor für Sozialwissenschaften; Boh Chatelle, Schriftsteller und Ant-Zensur-Aktivist; Jim D`Entremont, Stückeschreiber und Ant-Zensur-Aktivist; Ann Kotell, Angestellte im Gesundheitswesen; Carol Thomas, Soziale-Gerechtigkeits- und Religions-Aktivistin; French Wall und Bill Andriette, schwule Schriftsteller und Verleger; Nancy Ryan, Feministin; Reehee Garofalo, Volkskundeprofessor; Dianne McLaughlin, Bewährungshelfer; John Miller, Wirtschaftsprofessor; Molly Mead, Professorin für Stadt-und Sozialplanung; John MacDougall, Soziologieprofessor; Laurie Dougherty, Sozialwissenschaftlerin und Herausgeberin; Monty Neill, Erzieher und politischer Aktivist; Rev. Margaret Hougen und Rev. Edward Hougen; Roswitha and Ernest Winsor, Strafverteidiger; Paula Westberg, Lehrerin; Rosalyn Baxandall, Amerikanistik-Professorin und Sozialaktivistin ( New York ); Chris Vance, Erzieher und Betreuer von bisexuellen Jugendlichen; Mark Salzer, Lehrer und politischer Aktivist; Barry Phillips, Erzieher; Clark Taylor,Lateinamerikanist; Sarah Bartelett, Erzieherin; Noel Rosenberg, Computertechniker; und andere. 

2 Antworten zu “Aufruf zum Schutz unserer Kinder und unserer Freiheiten”

  1. Labrador sagt:

    Eine Erklärung, die auch schon wieder über zwanzig Jahre alt ist. Wie die Zeit vergeht! Und es kommt nichts Gutes nach, leider! Ich kann nicht verstehen, dass die Strafgesetze zunehmend noch weiter verschärft werden, vor allem aber kann ich die Paranoia nicht nachvollziehen, die auch in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis um sich greift, wenn es um bestimmte Themen geht. Kindersex gehört dazu. Wann immer die Sprache auf dieses Thema kommt, geht es nicht darum, ob Kinder aus freien Stücken Sex haben wollen/können/sollten etc., sondern allein darum, wie man die “Täterinnen und Täter” noch härter bestrafen könnte/sollte. Offenbar, so glauben viele, steht hinter jeder 2ten Laterne und jedem 3. Busch ein Typ im Trenchcoat, der Kinder von der Straße zerrt und vergewaltigt. Abgesehen davon, dass das Unsinn ist (es ist ja längst bekannt, dass die meisten sexuellen Kontakte mit Kindern im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden) führt genau diese Paranoia und der ewige Glaube daran, dass Sex die “Reinheit” von Kinder “beschmutzt” (was sagt das über das Verständnis von Sex? Dass Sex etwas “Schmutziges”, “Unreines” ist…?) dazu, dass jeglicher sexueller Kontakt mit Kindern als Verbrechen gesehen wird.

    Was definitiv nicht stimmt. Natürlich gibt es viele Fälle, in denen irgendwelche Arschlöcher Kinder gegen ihren Willen zum Sex zwingen. Doch es gibt eben auch Beispiele für lustvollen, einvernehmlichen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen. Doch davon will unser Staat und unsere verklemmte, moralinsaure Gesellschaft mit ihren völlig überalterten Moralvorstellungen nichts wissen!

    Ich sehe das anders: Missbrauch liegt für mich dann vor, wenn Kinder gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen werden. Das gilt analog auch für nicht-sexuelle Lebensbereiche (obwohl hier auf breiter Basis Zwang als elterliches “Erziehungswerkzeug” akzeptiert wird). Wenn aber sexuelle Handlungen dem Willen von Kindern entsprechen, darf es – mit Ausnahme von sexuellen Handlungen, die ein Kind sicher verletzten würden – keine, absolut keine Tabus geben, dann muss alles, wirklich alles, was die beteiligten Kinder praktizieren möchten, zugelassen sein! Dabei spielt es für mich keine Rolle, in welchem Umfang der Wille von Kindern beeinflusst wurde, solange keine unlauteren Methoden (Schüren von Ängsten, Drohungen, Nötigung, körperliche oder seelische Gewalt) eingesetzt wurden. Auch ein überwiegend oder vollständig fremdbestimmter kindlicher Wille ist vollständige Zustimmung, wenn ein Kind ihn subjektiv als eigenen Willen wahrnimmt oder seinen Willen wandelt und sich den zunächst fremden Willen letztendlich zu eigen macht. Das heißt, auch wenn einem Kind bewusst ist, dass es zunächst einen abweichenden Willen hatte, dann aber später den Willen anderer als seinen eigenen akzeptiert, liegt vollständige Zustimmung und Freiwilligkeit vor!

    Der Wille von Kindern hat insoweit für mich einen hohen Stellenwert. Selbstverständlich dürfen Kinder Sex ablehnen – sie dürfen aber auch zustimmen! Und wenn sie dies tun, muss ihr Wille immer Vorrang vor einem eventuellen “Restrisiko” haben oder vor allzu großen Bedenken der Sexpartnerinnen und Sexpartner. Wir schulden es Kindern, dass wir ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nicht beschneiden, ohne dass es Not tut. Was unser Staat treibt, ist menschenverachtend und menschenrechtbeschneidend ohne Sinn und Verstand. Pauschal wird der Wille von Kindern in den Staub getreten und für irrelevant erklärt.

    Es wäre an der Zeit, Kinder endlich als gleichberechtigte und vollwertige Sexpartnerinnen und -partner anzuerkennen und zu respektieren!

    • Countryboy sagt:

      Hallo, Labrador,

      erfreulich, dass es hin und wieder (leider viel zu selten) noch vernünftige Menschen gibt, die in der Lage sind, selbst ein so polarisierendes Thema wie Kindersex(ualität) differenziert zu betrachten und dazu Stellung zu beziehen!

      Ich sehe die Sache im Prinzip und im Wesentlichen “deckungsgleich” mit dir. Leider verhindert die Strafgesetzgebung, dass Erwachsene, die erfüllenden und – von den beteiligten Kindern gewollten – Sex hatten, darüber öffentlich berichten. Denn jede/r, die/der offen darüber spricht, muss ja umgehend befürchten, strafrechtlich verfolgt zu werden, da jede sexuelle Handlung an/mit Kindern eine Straftat darstellt. Clever, wie unser Staat (und die Gesellschaft) hier quasi “zwei Fliegen mit einer Klappe” schlagen, oder?

      So bleibt nur, seine Meinung zu sagen. Träumen darf man, aber ausleben darf man eben nicht. Wenigstens Ersteres können die verblödeten Moralapostelinnen und Moralapostel einem nicht verbieten. Immerhin. Sehr tröstlich, wirklich!

      Doch zurück zu deinem Kommentar: Wenn ich deine Aussage zu den sexuellen Handlungen korrekt interpretiere, plädierst du dafür, den Willen von Kindern über das Restrisiko sexueller Handlungen zu stellen. Da bin ich absolut bei dir! Natürlich sollten die beteiligten Erwachsenen (bzw. älteren, sexuell erfahreneren Partnerinnen und Partner) gewissenhaft (!) abwägen, ob eine bestimmte sexuelle Handlung für ein Kind (schon) geeignet ist. Diese Abwägung muss IMHO aber unbedingt mit Mut und Augenmaß erfolgen, soll heißen: Wenn eine Schädigung nicht sicher eintritt oder nicht abschließend vorhersehbar ist, sollten die beteiligten Kinder “das letzte Wort” haben – umso mehr, wenn sie (schon) über ein gewisses Maß an sexueller Erfahrung verfügen!

      Denn was setzen wir aufs Spiel, wenn wir ständig “den Schwanz einziehen” (sorry, aber mir fällt spontan jetzt kein Spruch ein, der auch auf Mädels/Frauen passt…)? Wenn wir Kinder bestmöglich sexuell ausbilden wollen/ihnen möglichst viel an sexueller Erfahrung mitgeben möchten, ist es wichtig, dass wir auch genau das tun und sie nicht überbehüten! Und exakt das ist, was ich in meinem Umfeld allzu oft erlebe: Ständige Überbehütung, weil die Eltern glauben, ihren Kindern würde permanent etwas zustoßen. Würde – nicht könnte! Denn dass Kindern etwas zustoßen KÖNNTE, das leugne ich nicht. Aber es gehört nun einmal zum Aufwachsen dazu, dass Kinder mal hinfallen, sich stoßen, sich schneiden, usw. Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann packt mich im Angesicht heutiger Hubschraubereltern das nackte Grauen!

      Nein – es ist wichtig, und das sehe ich auch beim Sex so, dass Kinder experimentieren dürfen, dass sich bewusst bis an ihre (körperlichen) Grenzen gehen, denn Grenzerfahrungen sind enorm wichtig. Dies bedeutet auch, dass Kinder sich an diese körperlichen Grenzen herantasten und dass es auch mal “drüber hinaus” geht, denn so erkennen sie am besten, wie weit sie beim Sex (schon) gehen können. Insbesondere im Kontakt mit Fremden ist dies ein guter Anhaltspunkt, denn so wissen Kinder, wobei sie sich schon wohlfühlen und was ihnen nicht gefällt, (noch) Schmerzen bereitet usw.

      Aus diesem Grund bin ich dafür, Kindern weitreichende Zustimmungskompetenz zu geben und ausschließlich bei sexuellen Handlungen, durch die sie mit absoluter Sicherheit verletzt/geschädigt würden, diese Kompetenz außer Kraft zu setzen. Wann immer aber eine sexuelle Handlung eine Schädigung nicht mit absoluter, sondern nur relativer Sicherheit oder erst recht gar nicht nach sich zöge, muss – das sehe ich so wie du, Labrador – der Wille der beteiligten Kinder ausschlaggebend sein!

      Bei Kindern, die sich noch nicht ausreichend verbal ausdrücken können, tritt an die Stelle der Sprache die nicht-verbale Kommunikation, also eindeutige Zeichen der Zustimmung, die wir großzügig auslegen sollten. Dies gilt umso mehr, je jünger ein Kind ist und findet seine Aufhebung bei Säuglingen und Kleinkindern. Hier kann man meines Erachtens auch keine nicht-verbalen Zeichen der Zustimmung erwarten, sondern sollte mit der sexuellen Handlung starten und abbrechen, wenn das Kind Zeichen der Ablehnung zeigt. Durch die körperlichen Einschränkungen ergibt sich hier ohnehin ein noch deutlich eingeschränktes Spektrum an sexuellen Handlungsmöglichkeiten.

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