Übergabe der Petition zur Rehabilitierung aller und Entschädigung noch lebender 175er Opfer wurde zu einer einsamen Veranstaltung

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 05 Februar 2013 ]

Es ist schon signifikant, dass Justizopfer den “Volksvertretern” im “Deutschen Bundestag” weitgehend gepflegt am A**** vorbeigehen. Dies scheint auch für jene Justizopfer zu gelten, die historisch als solche anerkannt sind. In diesem Falle ging es um die Opfer des einstigen “Schwulenparagraphen” 175 . Über die Petition wurde hier bereits an anderer Stelle berichtet. In einer öffentlichen Verantaltung am 30. Januar 2013 im deutschen Reichstag sollte die Petition durch Rosa von Zehnle an die 1. Vorsitzende des Petitionsauschuß Frau MdB Kersten Steinke übergeben werden. Weitere Vertreter des Bundestages sollten ebenfalls an dieser Verantaltung mitwirken. Es sollte anders kommen.

Ursprüglich war die Verstaltung, die im Anschluss an die Gedenkstunde des Deutschen Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus stattfinden sollte, folgendermaßen geplant:

 

“Was am 17.6.2012 begann und am 28.1.2013 endete war die bis dahin größte Unterschriftensammlung in Sachen „Rehabilitierung aller und Entschädigung der (noch lebenden) in Deutschland wegen § 175 Verurteilten“ seit Bestehen des § 175 von 1871-1994 und danach.
Diese „Bundestags-Petition für 175er Opfer“ konnte zum Ende gaynau 5.972 Unterschriften nachweisen und wird nun am 30.1.2013 mit Unterstützung von Michael Kauch (MdB) im würdevollen Rahmen und im Beisein weiterer Mitgliedern des Deutschen Bundestags aus den Parteien der CDU, SPD und die Die Linke sowie die 1. Vorsitzenden des Petitionsausschuß Frau Kersten Steinke (MdB) übergeben werden.
Auch die Piraten, die GRÜNEN und die CSU wurden geladen, doch bis einschließlich heute kamen keinerlei Zusagen und somit kann als bisher sicher der folgende Ablauf der Übergabe gelten:

 

Programmablauf:

 

MdB Michael Kauch FDP – BegrüßungsredeRosa von Zehnle (GGPD) – Gedanken zur 175er PetitionMdB Barbara Höll (Die Linke) – Dankworte aus Leipzig und Berlin, weitere anwesenden MdB:

MdB Johannes Kahrs (SPD), MdB Stefan Kaufmann (CDU), MdB Andrej Hunko (Die Linke)
Petitionsübergabe durch Rosa von Zehnle an die 1. Vorsitzende des Petitionsauschuß Frau MdB Kersten Steinke und den obigen Vertretern des Deutschen Bundestags.”

 

Es kam anders, denn weder war die Übergabe der Petiton öffentlich noch nahmen die oben genannten Abgeordneten (mit einer Ausnahme) an dieser Veranstaltung teil. Im Originalwortlaut des Petitionführers sah es dann aus wie nachfolgend beschrieben:

 

SKANDAL:
MdB Pädo-Beck tritt 6.000 PetitionsunterzeicherInnen in den Arsch

Knapp zwei Stunden vor Beginn der würdevollen Übergabe der „Bundestags-Petition für 175er Opfer“ bekam ich aus dem Büro von MdB Michael Kauch, welches den Rahmen der Petitionsübergabe im Deutschen Bundestag organisierte, einen Anruf: die Übergabe könne nun doch nicht öffentlich stattfinden, da die drei Vertreter der Die Linken, darunter die 1. Vorsitzende des Petitionsauschusses Frau Steinke, verlautbaren ließen: (… vollständiger Text in der Presseerklärung)

Mit den Worten von Waldtraut Lewin
(Schriftstellerin, Jugendbuchautorin, Opern- und, Theaterregisseurin, Dramaturgin, Übersetzerin, Diplomphilosophin, Nationalpreisträgerin … sie schrieb über 60 Bücher und sie war während der nicht öffentlichen Übergabe anwesend)
möchte ich enden und sie drückt aus, wie es uns, den Anwesenden ging und vermutlich nun auch vielen der 6.000 Mitmenschen, die die Petition unterzeichnet haben:

Fassungslos.

Fassungslos sitze ich, für Randgruppen engagierte Autorin (ich bin Jüdin!) bei der „Würdevollen Übergabe” der Petition zur Rehabilitierung der Opfer des vom unsäglichen Paragraphen 175 weit in die Zeit der Bundesrepublik hinein Verfolgten.
Im Bundestag.
In einer Art leerem Klassenzimmer.
Und da kommt einfach keiner der Angekündigten.
MdB Michael Kauch, der mit zu den Initiatoren dieses Datums gehört, versucht Haltung zu bewahren, die Dinge zu glätten.
Aber das ändert ja nichts daran, dass das einfach ein schnöder Boykott ist.
Die angekündigten MdBs, inklusive der Leiterin des Petitionsausschusses, fühlten sich nicht bemüßigt.
Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus zuvor?
Da war man wohl schon zu erschöpft, um sich noch die Petition für die paar diskriminierten Homos anzutun.
Fast sechstausend Unterschriften hat das Rosa Archiv Leipzig gesammelt.
Und es sollten Reden gehalten werden.
Hat sich was. Übergeben, weitergeleitet …Wohin wohl? In die „runde Ablage”?
Selten habe ich einen zynischeren und menschenverachtenden Akt erlebt als diesen durch unsere Volksvertreter.
Mitgekommen als Gäste waren drei alte Männer (der Älteste 92 Jahre), alle drei in ihrer Jugend als Homophile kriminalisiert, verfolgt, traumatisiert, in ihren Biographien beschädigt.
Sie hatten sich wohl etwas erhofft von dieser „würdevollen Übergabe”.
Nun, zumindest hörte Michael Kauch ihnen aufmerksam zu. Dankeschön.
Im übrigen kann ich nur Max Liebermann zitieren:
„Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“ (…vollständiger Text in der Presseerklärung)

 

Man sollte dabei nicht vergessen, dass heutzutage ebenfalls wieder unzählige Justizopfer infolge verbrecherischer Sexualstrafgesetze produziert werden. Es sind die Abgeordneten der wiedervereinigten Blockparteien, die selbst Gesetze geschaffen haben, die den Vergleich mit Nazi-Paragraphen nicht scheuen brauchen. Da die Abgeordneten des Bundestages Gesetze beschließen und verschärfen klebt auch an ihren Händen das” Blut” unschuldiger Opfer. Das “vierte Reich” ist nicht wirklich besser als der Vorläufer. Auch der alte § 175 StGB lebt zumindest in Teilen weiter im § 182 StGB. Weitere Informationen:

175-Opfer.de

Tuk-Talk

K13-Online: Bundestags-Petition für 175er Opfer: Würdevolle Übergabe im Reichstag am 30.1.2013

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