Wenn sich Pixel an Pixeln vergreifen

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 01 Dezember 2012 ]

Wie bereits angekündigt setzte sich Kurt Hartmann in der Ausgabe Nr. 50 des sexualpolitischen Magazins GiGi kritisch mit dem Leiter des Eugenik-Projekts “Kein Täter werden” der “Berliner-Charite” auseinander, die somit nach “längerer Pause” in diesem Land wieder ein Institut für Rassenhygiene im “besten”
sozialdarwinistischen Sinne in ihren Mauern beherbergt. Der vollständige Artikel (Originalmanuskript) ist mit freundlicher Genehmigung des Autors untenstehend zu finden.

Auf den offenen Brief Julius Burgmanns an Prof. Beier Charité Berlin gibt es bislang keine ausdrückliche Antwort. Die sexualmedizinischen Forensiker drücken sich um jeden direkten kritischen Dialog mit Betroffenen. Pädos sind offenbar keine Diskussionspartner sondern präferenzgestörte Behandlungsobjekte.

Die Gedankenwelt Prof. Beiers offenbart sich jedoch in zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen Medien gegenüber.
So erschien am 13.Mai 2007 ein Interview mit ihm in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Prof. Beier befragten Eberhard Rathgeb und Claudius Seidl.
Auffällig ist schon die Sprache. Im Interview wird stets der spezifisch emotional besetzte Begriff „Kind“ verwendet, von Mädchen oder Jungs ist nicht die Rede. Die erste Frage galt der Aufregung über die virtuelle Welt. Auf der Internet-Plattform second Life vergreifen sich angebliche Pädophile virtuelle an Pixel-Kindern. Wodurch niemandem ein Schaden entsteht. Man wüsste nicht erwidert Beier, ob es sich hierbei tatsächlich um pädophile Nutzer handelt.
Das sind für ihn „Männer mit einer persistierenden sexuellen Ansprechbarkeit auf ein kindliches Körperschema“. Es gäbe „unterschiedliche Motivationen, sich an einem sexuellen Kindesmissbrauch auch in einer virtuellen Welt zu beteiligen.“
Das virtuelle Spiel stört Beier wofür er einen einfachen Grund nennt: „Nach derzeitigem Kenntnisstand müssen wir davon ausgehen, dass die Hemmschwelle für sexuellen Kindesmissbrauch über einen regelmäßigen Konsum von kinderpornographischem Material schrittweise auf eine gefährliche Weise herabgesenkt werden kann. In „Second Life“ kommt erschwerend hinzu, dass Männer den sexuellen Übergriff auf ein Kind und den Weg dahin in einer virtuellen Welt regelrecht einüben.“

Aber wer sich im Netz auslebt, was in der Wirklichkeit nicht geht, verschone doch vielleicht wirkliche Kinder entgegnen Rathgeb und Seidl

Dies bezeichnet Beier als „trügerische Hoffnung“. Beier weiter: „Sehen Sie, jeder Mensch möchte seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen. Sind nun sexuelle Wünsche so gelagert, dass sie ein Leben lang nicht befriedigt werden können, dürfen und sollen, werden diese Wünsche eher drängender. Damit einher geht das ebenso dringende Bedürfnis, dass diese Wünsche vom Gegenüber – in diesem Fall einem Kind – akzeptiert, erwidert oder sogar eigenständig formuliert werden. Von dieser gegenseitigen Akzeptanz kann jedes Erwachsenenpaar, das miteinander seine sexuellen Wünsche stillen möchte, ausgehen. Männer mit einer Pädophilie ersehnen eine vergleichbare Akzeptanz beim Kind, wie sie bei einem unabhängigen gleichberechtigten Erwachsenen möglich ist. Ein Kind erfüllt diese Voraussetzungen von Unabhängigkeit und Gleichberechtigung aber nicht. Es ist kein „Verhandlungspartner“ auf Augenhöhe.“
Prof. Beier übersieht dabei, dass die Lust- und Orgasmusfähigkeit die bereits im Mutterleib vorhanden ist, wie in jeder späteren Altersstufe und auch ohne formale Gleichberechtigung genussvoll ausgelebt werden kann. Sexualität wird in der Praxis ausgelebt – unmittelbar über actio-reactio und nicht abstrakt verhandelt. Dabei kann jedes Kind mithalten und jeder kann an der kindlichen Reaktion erkennen, was gefällt und was nicht – selbst beim Säugling.
Auf die Frage ob virtuell erfüllte Sehnsucht nach Akzeptanz zur Tat führt, meint Beier dieses nicht ausschließen zu können. Das reicht ihm für eine Verurteilung bis hin zum Verbot offensichtlich. Ebensowenig könnte er ausschließen, dass morgen der Himmel herunterfällt und alle Affen tot sind.

In seinem Projekt in Berlin arbeitet er vor allem daran: „dass die potentiellen Täter Strategien erlernen, die sie daran hindern, ihren sexuellen Wünschen in der Wirklichkeit nachzugeben. Die hierzu aufgebauten Hemmschwellen werden durch die Vorgänge in „Second Life“ herabgesetzt.“ Wie werden nun die Hemmschwellen aufgebaut? Hierfür hat Beiers Projekt „eine Reihe von therapeutischen Techniken, die“ … „eingesetzt werden können. Entscheidend ist dabei immer, dass die Hemmschwelle steigt, wenn es gelingt, sich in das potentielle Opfer, das Kind, hineinzuversetzen. Der blinde Wunsch nach Akzeptanz und Erwiderung eigener sexueller Wünsche durch das Kind verhindert diesen Perspektivenwechsel und damit eine empathische Begegnung mit dem Kind und dessen Gefühlen. Kein Kind möchte Sex mit Erwachsenen haben. Empathie in die resultierenden Gefühle des Kindes wie Angst vor Strafe, Ablehnung, Schuld, Ekel, Schmerz, Hilflosigkeit kann und muss erst erlernt werden.“
Mit derartig absurden und falschen Paradigmen betreibt Beier Gehirnwäsche beim Pädo. Woher will er wissen, dass die Wünsche von Pädos „blind“ sind? Gefühle wie die Angst vor Strafe oder Ablehnung, Ekel oder Schmerz werden ja erst durch die verklemmt-hysterisch reagierende Umgebung einem Kind vermittelt und sind keinesfalls naturgegeben. Selbstbewusste Kinder sind davor ohnehin gefeit. Warum vermittelt Beier seinen Patienten nicht, wie sie auch für Kinder genussvollen Sex ausleben können? Wäre dies der Fall, müsste Beier § 176 StGB im Sexualstrafrecht in Frage stellen. Der aber ist für ihn sakrosankt. Beim Thema Empathie fragen Rathgeb und Seidl ob Pornofilme verboten werden müssten, denn sie beförderten ja nicht gerade die Empathie gegenüber Frauen. Da allerdings will Beier eine allgemeine Empathie von der für ein Opfer unterschieden wissen: „Frauen in Pornofilmen sind im Allgemeinen keine Opfer. Es handelt sich hier um den Sex zweier gleichberechtigter Erwachsener im Unterschied zu Kindern. Eine erwachsene Frau willigt in eine sexuelle Handlung ein und besitzt auch die grundsätzliche geistige Reife, die Konsequenzen zu ermessen – Kinder besitzen diese Reife nicht und können daher auch nicht einwilligen. Sie sind Opfer.“ Leider fehlt hier die Frage nach den Konsequenzen sexueller Handlungen, die es angeblich immer zu ermessen gilt. Sexuelle Handlungen haben bestenfalls einen Orgasmus zur Konsequenz – nichts weiter. Bei postpubertären Frauen ggfls. eine Schwangerschaft.
Beiers sexualfeindliche Ideologie entlarvt sich vollständig als er die Frage beantwortet ob „sich zwischen der erlaubten und harmlosen Zärtlichkeit und der verbotenen Sexualität eine klare Grenze ziehen“ lässt?
„Ja“ meint Prof. Beier, „die Grenze ist überschritten, wo der Erwachsene seine sexuelle Erregung oder den Wunsch danach in die Begegnung hineinträgt. Immer wieder wird behauptet, dass es Kinder gibt, die das von sich aus wollen. Diese Ansicht wird von manchen Männern sogar sehr offensiv vertreten“ so Beier weiter. „Die sagen uns: Was wollt ihr denn, manche Kinder mögen das und machen freiwillig mit. Das ist aber nicht der Punkt. Denn selbst wenn es so sein sollte, widersprechen die leidvollen Erfahrungen von Kindern, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dieser Ansicht heftig. Wenn wir Kinder schützen wollen, müssen wir uns an der Möglichkeit orientieren, dass Kinder Schaden nehmen und niemand dies sicher ausschließen kann. Wer Kinder wirklich liebt, geht von diesem grundsätzlichen Risiko aus und tut alles, um lebenslang sexuelle Handlungen mit Kindern zu vermeiden – notfalls auch durch Nutzung von Medikamenten. Die Unversehrtheit des Kindes ist immer das höhere Rechtsgut.“
Offenbar fehlt Beier eine klare Definition dessen, was er unter sexuellen Übergriffen verstehen will und was unter einem Schaden. Sind es freiwillige zärtliche Sexkontakte oder handelt es sich um Vergewaltigung? Aus der Tatsache, dass es Vergewaltigungen gibt, schließt Beier jeder Sex mit Menschen unter 14 Jahren hätte zu unterbleiben. Willkürlich gezogene Altersgrenzen, sind für Beier dabei kein Problem.
„Alle sexuellen Präferenzen entstehen aus dem Zusammenspiel von biologischen mit psychosozialen Einflussfaktoren und manifestieren sich dann im Jugendalter endgültig, auch die Pädophilie.“ Antwortet er auf die Frage nach der Entstehung der pädophilen Präferenz. Ob sie angeboren oder erworben ist, sagt er nicht. „Eines Tages merkt ein junger Mann, dass er diese Neigung hat. Er kann nichts dafür, so wenig wie Männer etwas für ihre Vorliebe für erwachsene Frauen oder etwas für ihre Vorliebe für erwachsene Männer können. Aber der Pädophile kann etwas dafür, was daraus wird, und er muss alles dafür tun, dass aus den Phantasien keine Taten werden.“ So gäbe es durchaus auch Männer, die Mit Frauen zusammenlebten und diese Neigung hätten.

Im klassischen Missbrauchsparadigma geht es weiter. Wer die Neigung für Kinderkörper bei sich festgestellt hat sollte laut Prof. Beier

„in eine Therapie gehen, damit er lernt, seine sexuellen Impulse so zu kontrollieren, dass kein Kind durch ihn zu Schaden kommt. Der Wunsch, sexuellen Kontakt mit einem Kind zu haben, wird in einem Mann mit pädophiler Neigung aber sein Leben lang lebendig bleiben. Man kann diesen Wunsch nicht wegwünschen. Er wird diesen Wunsch in seinen Phantasien auszuleben versuchen, dagegen ist nichts zu sagen. Auf keinen Fall aber darf dieser Wunsch Wirklichkeit werden.“
Wo bleibt da die Forderung nach Legalisierung von Kinderpornografie, die z.B. auf Zeichnungen und Gemälden zu finden und ohne reale Personen entstanden ist? Auch dabei können Fantasien ausgelebt werden, wie auf der Internetplattform second Life, wo er das Ausleben der Fantasien aber verurteilt. Erfüllung oder Erlösung kann es für Pädophile somit nicht geben.
„Sein Leben lang wird ein Mann mit pädophiler Neigung mit dem Gefühl leben müssen, für seine Sehnsüchte keine Entsprechung zu finden und nicht akzeptiert zu werden. Er wird diese Akzeptanz seiner selbst durch eine körperlich intime Erfahrung, in diesem Fall mit einem Kind, nicht erfahren. Das macht sein Leiden aus. Dennoch hat der Schutz der Kinder nun einmal absolute Priorität.“ Der strafrechtliche Kinderschutz bedeutet absolutes Sexverbot unter 14 Jahren. In einer Zeit, in der die jüngsten Mütter in Deutschland 10 Jahre alt sind eine abstruse Regelung. Zur Richtung von sexuellen Fantasien führt Beier weiter aus: „ … sexuelle Phantasien sind der Ausdruck einer Sehnsucht, die jedem Menschen eigen ist: dass man in seinem So-Sein von einem anderen, dem Liebespartner, anerkannt, dass man angenommen wird. Die meisten Menschen können ihre Sehnsucht in partnerschaftlichen Beziehungen mit altersadäquaten Sexualpartnern verwirklichen – und zwar deshalb, weil ihre sexuelle Orientierung das für sie zielführend macht: Sie weisen eine sexuelle Ansprechbarkeit für den erwachsenen Körper auf, am allerhäufigsten für den des Gegengeschlechts. Deshalb verlieben sich die meisten Männer in Frauen und umgekehrt. Menschen mit pädophiler Neigung verlieben sich in Kinder – sie begehren das Gefühl der Akzeptanz von ihnen, keineswegs nur sexuelle Handlungen und Erregungshöhepunkte.“
„Einen gravierenden Unterschied gibt es allerdings: Einverständliche sexuelle Kontakte mit Erwachsenen sind nicht mit Fremdgefährdung verbunden – im Gegensatz zur Verwirklichung pädophiler Impulse.“
Hält Prof. Beier an seiner irrigen Ideologie fest. Einverständliche sexuelle Kontakte mit Unter-14-Jährigen sind aus sich heraus ebenso wenig mit einer Fremdgefährdung verbunden, wie solche mit Über-14-Jährigen.
Die Sehnsucht nach Geborgenheit im und durch den anderen ist jedoch nach Beier viel stärker als die sexuelle Befriedigung. …“wenn es auch heute so aussieht, als ob die sexuelle Befriedigung das vorrangige, das einzige und das entscheidende Ziel aller Begegnungen ist.“ Dahinter stecke die Hoffnung, „dass der Sex die Nähe schaffen möge, die man als Mensch offenbar sonst nicht mehr so einfach findet.“„Aber Sex hilft doch, Nähe zu schaffen? fragen Rathgeb und Seidl. „Schon,“ erwidert Beier „aber welches Motiv ist maßgeblich: Selbstverwirklichung oder Erleben von Gemeinsamkeit. Wird Nähe konsumiert oder hat sie einen eigenen Sinn, der sich durch die Gemeinsamkeit erst erschließt? Sex wird in unserem Kulturkreis derzeit sehr stark als Lust an sich selbst und an der Selbstinszenierung konstruiert. Überall die Aufforderung, eigene Phantasien, Ideen, Talente zu entwickeln, also das Erleben in den Dienst der größtmöglichen Selbstbezogenheit zu stellen.“ Prof. Beier übersieht hier, dass Selbstverwirklichung und das Erleben von Gemeinsamkeit sich keineswegs ausschließen. Bürgerrechtlich ist die freie Entfaltung der Persönlichkeit ohnehin garantiert, unabhängig vom Lebensalter oder von weiteren Zwecken. „Gesichtsloser Orgasmus?“
„Der bindungslose Orgasmus. Ein deutlicher Hinweis darauf ist die Tatsache, dass immer mehr pharmazeutische und chirurgische Hilfen bereitgestellt werden, um die blinde Erfüllung der sexuellen Wünsche zu garantieren. Die wirkliche Begegnung zwischen zwei Menschen bleibt dabei auf der Strecke.“ postuliert Beier weiter. Warum eine wirkliche Begegnung mit einem Jungen oder Mädchen (ob mit oder ohne Sex) nicht möglich sein soll, bleibt sein Geheimnis.
Haben bei diesem Verlust an Beziehungsfähigkeit die Kino- und Fernsehbilder mitgewirkt? Oder anders gefragt: Könnte man nicht sagen, dass die Kino- und Fernsehbilder einen gerade für die Bewältigung menschlicher Konflikte und also für die menschliche Begegnung reifer machen?
Bei der Antwort auf die Frage inwieweit Kino- und Fernsehbilder an der Beziehungsfähigkeit bzw. -unfähigkeit mitwirken sieht Beier dort „keine bindungsfördernde Kultur, sondern eine Überbetonung des Sexuellen. Und grundsätzlich ist es doch so, dass beim Vergleich zwischen der sexuellen Welt der Kino- und Fernsehbilder mit der Wirklichkeit die Wirklichkeit immer der Verlierer ist – und das würde bedeuten, dass diese sexuelle Phantasiewelt wirkliche Begegnungen eher verhindert oder zumindest Beziehungen mit unerfüllbaren Erwartungen überfrachtet.“
Rathgeb und Seidl: „Droht uns eine völlig sexualisierte und deswegen bindungsverarmte Kultur?“
Prof Beier sieht uns auf dem bestem Weg dorthin. Man könnte sicher sein, dass bereits daran geforscht würde, „wie sich Männer und Frauen – möglichst nebenwirkungsarm – sexuell über das ihnen mögliche natürliche Maß stimulieren können, um auf diese Weise aus ihrer Einsamkeit herauszukommen, ihre Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit zu stillen. Das neue kulturelle Muster lautet: Inszeniere dich für dich selbst, eine Art postmodernes „Selbst für sich selbst.“
Wofür freiwilliger zärtlicher Sex speziell bei Personen unter 14 Jahren bestraft werden muss, kann Prof. Beier mit derartiger Philosophie ebenso wenig erklären, wie die Frage was allgemein Strafrecht bei sexueller Entfaltung bewirken soll.

Kurt Hartmann im Juni 2007

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