FÜR EINE PERVERSE GESELLSCHAFT – ein Grundsatzpapier des Arbeitskreises Sexualpolitik Berlin (Oktober 2005)

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 09 November 2012 ]

FÜR EINE PERVERSE GESELLSCHAFT

Wir erregen Anstoss

Vorschlag für eine sexualpolitsche Grundsatzerklärung

Der AK-Sexualpolitk Berlin versteht sich als Teil einer linksdemokratischen und antiautoritären gesellschaftlichen Bewegung.

Er vertritt die folgenden Grundsätze:

Wir begreifen Sexualität als eine positive Kraft im Leben eines jeden Menschen. [Formulierung der AHS]
Wir sehen diese positive Kraft unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Identität oder Spielart und Behinderung.

Wir lehnen jede Unterdrückung und Diskriminierung einhelliger Sexualität ab.Einhellige Sexualität ist Sexualität nach dem erklä?rten oder erkennbaren Willen der Beteiligten. Sie entspricht der durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantierten freien Entfaltung der Persönlichkeit und der

Handlungsfreieheit und hat für uns einen hohen bürgerrechtlichen Stellenwert.

Für uns hat jede Form und Spielart der Sexualität ihre eigene Berechtigung in sich und ist keinem weiteren Zweck untergeordnet.
Ein Sexualstrafrecht, das aus dem neunzehnten Jahrhundert stammt und nach wie vor zahlreiche Spielarten einhelliger Sexualität kriminalisiert und verfolgt, lehnen wir ab. Es schützt nicht, wie es vorgibt, die sexuelle Selbstbestimmung, sondern eine religiös verklemmte Sexualmoral von ewig Gestrigen. Ein solches

Sexualstrafrecht können und werden wir nicht akzeptieren; wir verlangen seine Abschaffung!

Wir solidarisieren uns mit allen wegen ihrer Sexualität verurteilten und inhaftierten Gefangenen und verlangen ihre Freilassung aus Knast und Psychiatrie.

Wir verlangen insbesondere gesellschaftliche Akzeptanz für folgende Phänomene und Spielarten der Sexualität:

Kindersexualität, Pädo- und generationsübergreifende Sexualität, Ephebo- und Gerontophilie und alterungleiche Partnerschaften, Inzest, Exhibitionismus, Sado-Masochismus, Sexualität in der Öffentlichkeit, jede einhellig hergestellte Pornographie einschl. Tier-, Kinder- und Jugendpornographie, Homo-, Bi-, Trans-

und Intersexualität, Transidentität, Prostitution und Zuhälterei, Zoophilie und Fetischismus.

Sexuelle und geschlechtliche Normierungen stellen wir grundsätzlich in Frage.

Emanzipation ist für und der Kampf um die Überwindung von Normierungen sowie für Akzeptanz und Gleichstellung aller Sexualitäten und Lebensweisen.

Wir wollen einen neuen gesellschaftlichen Dialog mit und zwischen Menschen aller Sexualitäten begründen. Gesellschaftlicher Dialog und Provokation sind die Mittel, um unsere politischen Anliegen voranzubringen und durchzusetzen.

Wir treten jeder sexuellen Denunziation und damit verbundener Medienhetze gegen scheinbare sexuelle Au?enseiter und sogenannte Minderheiten entschlossen entgegen.

Wir grenzen grundsätzlich niemanden aus und dulden andererseits auch keine Ausgrenzungen. Bei uns sind Menschen aller Identitäten und Spielarten willkommen – queere Menschen ebenso wie alle anderen, die sich gegen sexuelle Verfolgung und Sexualunterdrückung zur Wehr setzen. Unsere Zusammenarbeit ist

von gegenseitiger Achtung, Verständnis und Toleranz geprägt und geleitet von dem Gedanken, ein breites Bündnis aller sexuell Diskriminierten zu erhalten.

Wir freuen uns auf Dialog und streitbare Auseinandersetzung mit allen Interessierten.

7 Antworten zu “FÜR EINE PERVERSE GESELLSCHAFT – ein Grundsatzpapier des Arbeitskreises Sexualpolitik Berlin (Oktober 2005)”

  1. Volker Neukirchner sagt:

    In der sexuellen Spielart spielt Liebe und Bezug auf das Dingliche eine Große Rolle in der Gesundheit in Zeit und Raum. Eine Gesellschaft die es wagt Menschen oder Bürger oder Anders Denkende Atheistische weltliche Christen zu verfolgen in einem Staatsfeind Nr. 1 Polizeistaat Bayern der BRD West in Sitte und Justiz ist natürlich ganz klar ein ungeheuerliches Monströses Verbrechen in zweierlei Hinsicht zum einen im Sadismus und zum anderen im Sadismus und Sadomasochismus und Perversion der Vergewaltigung der Kinder und Jugendlichen der BRD gesamt BRD und Deutschland Sachsen Freistaat.

  2. Hektor sagt:

    Ich finde das Grundsatzpapier auch heute noch sehr gut, leider ist die Tendenz ja mittlerweile bzw. immer noch eine ganz andere – die Strafgesetze werden nun weiter verschärft. Ein Trauerspiel! Ich selbst befürworte jegliche Sexualität, bei der sexuelle Handlungen im gegenseitigen Einvernehmen durchgeführt werden, wobei es (hier teile ich die Ansicht der AHS) durchaus sein kann, dass der Wille eines Kindes teilweise oder überwiegend oder sogar vollständig fremdbestimmt zustande gekommen sein kann und das Kind seine Entscheidung (zum Beispiel einer sexuellen Handlung zuzustimmen) durchaus subjektiv als eigenen Willen empfinden kann bzw. sich den Willen der anderen (zB der Eltern) zu eigen gemacht hat. Auch dann kann es keinen Zweifel an der Einvernehmlichkeit geben!

    Ich befürworte insbesondere auch einen großen Altersunterschied zwischen Sexpartnerinnen und Sexpartnern, denn die große sexuelle Erfahrung der Älteren ergänzt sich kongenial mit der noch geringen sexuellen Erfahrung der Jüngeren.

    Ich träume immer noch davon, dass sich die Zeiten mal ändern, denn träumen, das darf man gerade noch. Ich bin gespannt, wann selbst das verboten wird…

    • Countryboy sagt:

      Hallo, Hektor, ich teile deine Ansichten voll und ganz! Es ist nicht relevant, ob der Wille eines Kindes teilweise oder sogar ganz fremdbestimmt zustande kam, sondern allein, ob ein Kind seine Entscheidung, bei sexuellen Handlungen mitzumachen, subjektiv als eigenen Willen empfindet! Wichtig ist nur, dass die Beeinflussung des kindlichen Willens nicht mit unlauteren Mitteln erfolgte, also nicht durch Drohungen, Nötigungen, Zwänge oder gar Gewalt. Jedoch sind alle anderen Mittel – Schwärmen, Begeistern, Mitreißen, Verführen, Motivieren, usw. – vollkommen zulässig. Denn auch in nicht-sexuellen Lebensbereichen beeinflussen Erwachsene den Willen von Kindern umfassend. Eltern zwingen ihre Kinder sogar zu ihrem “Glück”, wenn die Kinder nicht das tun, was die Eltern wollen. Da muss das vergleichsweise geringere Mittel der Willensgestaltung durch untadelige Mittel erst recht zugelassen sein. Entscheidend ist für mich also allein, ob Kinder davon überzeugt sind, mitmachen zu wollen – selbst, wenn dieses “Wollen” teilweise oder sogar gänzlich auf der Willensgestaltung durch andere beruht. Solange ein Kind glaubt, dass die Zustimmung der eigene Wille ist, passt es!

      Überhaupt keine Zweifel an der Zustimmung kann es auch geben, wenn Kinder von sich aus Sex initiieren oder in laufende Sexspiele einsteigen. Dann wollen sie offenkundig mitmachen!

      Im Übrigen darf die Möglichkeit zur Zustimmung nicht davon abhängig gemacht werden, ob Kinder sich schon ausreichend verbal verständigen können. Auch non-verbale Formen der Zustimmung – freudiges Lachen, begeistertes in-die-Hände-Klatschen, das willige und zustimmende Öffnen des Mundes und vieles mehr, ist mE als vollständige Zustimmung zu werten, wenn nicht zugleich oder nach Beginn einer sexuellen Handlung Zeichen der Ablehnung gezeigt werden.

  3. Countryboy sagt:

    Leider geht es weiter in Richtung Verschärfung der Strafgesetze – erbärmlich, dass der Staat sich nicht anders zu “helfen” weiß, als pauschal jegliche sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen unter Strafe zu stellen, anstatt individuell zu entscheiden. Das ist ungefähr so, als würde man pauschal alle Autofahrer bestrafen, weil sie mit ihrem Fahrzeug jemanden verletzen könnten. Und dazu noch der Unsinn mit dem Schutzalter, als hätten Kinder mit dem Erreichen eines bestimmten Alters quasi “über Nacht” die nötige Reife für Sex! Als würde man einen “Schalter umlegen” – woher soll denn diese Reife kommen? Von den verklemmten Aufklärungsversuchen überforderter Eltern? Also allein von der Theorie? Nein – wir brauchen eine Gesellschaft, die Kinder auch praktisch aufklärt und ihnen durch aktives Lehren die nötige sexuelle Reife verschafft!

  4. Labrador sagt:

    Hallo nochmals,

    beim Lesen dieses Grundsatztextes erinnerte ich mich auch wieder einmal an eines meiner Lieblingsthemen: Die Heirat von Erwachsenen mit Kindern. Ich bin keinesfalls ein Befürworter von Kinderehen, wie sie – leider – in falsch verstandener Auslegung des Freiheitsbegriffes von Erwachsenen Kindern aufgezwungen werden. Eine Zwangsehe ist immer abzulehnen!

    Wenn aber ein Kind von sich aus – freiwillig – die Ehe eingehen möchte und schon wahrnehmbar versteht, worum es dabei geht (partnerschaftliche Bindung, Eingehen von Pflichten, usw.) sollte dies zugelassen werden. In der Regel wird dies bei jüngeren Kindern insoweit noch nicht möglich sein, da sie noch nicht die Wesensart einer Ehe verstehen. Spätestens mit der Einschulung dürfte aber – bei entsprechender Unterrichtung – dieses Verständnis geschaffen werden können, so dass ab diesem Zeitpunkt eine “Ehefähigkeit” vorliegen dürfte. Ich plädiere daher dafür, eine Eheschließung mit Kindern ab dem Zeitpunkt der Einschulung – und zusätzlicher Zustimmung der Eltern/Erziehungsberechtigten – zuzulassen. Hierbei darf der Altersunterschied der Ehepartnerinnen oder Ehepartner KEINE Rolle spielen, wenn also z.B. ein 6jähriger eine 70jährige heiraten möchte (und seine Eltern zustimmen), muss dies ebenso erlaubt sein wie die Heirat einer 9jährigen mit einer 20jährigen. Die Zustimmung der Eltern kann mE mit dem Erreichen der Pubertät – also etwa ab dem 10. oder 11. Lebensjahr – entfallen.

    Ebenso spreche ich mich ausdrücklich für die Ehe von Kindern mit mehr als 1 Partnerin oder Partner aus. Natürlich sollte hier eine gewisse Überschaubarkeit gewahrt bleiben, aber es spricht für mich persönlich nichts dagegen, dass ein Kind eine Gruppe von Erwachsenen heiratet oder eine Gruppe von Kindern eine/n einzelne/n Erwachsene/n oder eine Gruppe von Erwachsenen. Als Obergrenze wäre hier vielleicht eine Gesamtpersonenzahl von sechs Personen denkbar.

    Ergänzend sei noch angemerkt, dass ich (wenn ich es entscheiden dürfte) auch Inzestehen ausdrücklich zulassen würde (insbesondere die Ehe von Eltern mit ihren Kindern oder Geschwistern untereinander oder Großeltern mit ihren Enkelinnen und Enkeln). So könnte schon frühzeitig das Verständnis von Kindern für die Ehe geschaffen und gefestigt werden.

    Ja, natürlich weiß ich, dass meine Überlegungen Utopie sind. Und wohl – leider – bleiben werden. Who cares!?

    • Countryboy sagt:

      Hallo, Labrador, ich muss sagen, meine Sympathie für dich steigt immer mehr an! Thema “Heirat” – ja! Absolut deiner Meinung: Liebe kennt keine Grenzen, daher bin auch ich dafür, die Heirat mit Kindern zu legalisieren. Allerdings eben eine Heirat auf der Grundlage der Zustimmung des bzw. der beteiligten Kinder! “Zwangsehen” darf es nicht geben! Doch dürfen z. B. die Eltern einem Kind (oder Kindern) die Ehe durchaus erklären und dabei das Interesse des/der Kindes/Kinder wecken. Auch hier gilt: Solange ein Kind seine Entscheidung für eine Ehe als eigenen Willen wahrnimmt oder sich den Willen z. B. der Eltern zu eigen macht, liegt uneingeschränkte Einvernehmlichkeit vor!

    • Rüdiger sagt:

      Aber warum “unbedingt” heiraten?

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