Keine Bühne für Karremann

[ Autor von diesem Artikel: Leonard Forneus ] [ Verfasst am 11 Oktober 2012 ]

Nach längerer Diskussion wurde der Protestbrief zur Karremanns Desinformationsveranstaltung  in der Urania abermals korrigiert.

Nachfolgend der Text, wie er jetzt in den Druck gehen und bei der Veranstaltung verteilt werden soll.

Diffamierung einer Minderheit durch Manfred Karremann

Ein Protestbrief zur Veranstaltung „Pädophilie und Gewalt“ in der Urania Berlin am 22.11.2007!

An und zu Herrn Manfred Karremann und die Urania !

Mit Empörung stellen wir fest, dass Sie zurzeit in Deutschland unterwegs sind, um für Ihr Buch “Es geschieht am helllichten Tag”, zu werben. Als Journalist haben Sie jedes Recht dazu, Ihre Meinungen und Erfahrungen mit dem Thema Pädophilie der Öffentlichkeit zu präsentieren und Ihr Buch anzupreisen, doch wir

haben den Eindruck, dass Sie Ihre grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit dazu missbrauchen, eine medienwirksame Schlammschlacht gegen Pädophile zu betreiben, die von Übertreibungen, Emotionalität und Hysterie , geprägt ist, statt vom Anliegen des Kinderschutzes und lauterem Problembewusstsein. Mit

gediegenen Informationen warten Sie nicht auf. Ihr Buch ist Boulevardjournalismus, „Manipulation der Massen“. Auch das whk betont den „volksverhetzenden Charakter“ Ihrer Auftritte! Sie dienen einzig, wenn nicht vorrangig dem Zweck, Ihren Marktwert als Publizist zu steigern. Sie sind weder am Kinderschutz

interessiert, noch an der umfassenden, objektiven Aufklärung zum Thema Pädophilie. Viele ihrer Darstellungen halten keiner wissenschaftlichen Analyse stand. Empirisch wegweisende und erkenntnisträchtige Studien (T. Sandfort 1986, R. Lautmann 1994, R. Hoffmann 1996, B. Rind et al. 1998) finden keine

Erwähnung. Ihre Authentizität vorgaukelnden Zitate sind zumeist aus dem Kontext gerissene Aussagen Einzelner, die Sie zu einer Art Charakterkunde verallgemeinern. Sie verfassen Urteile über Pädophile. Sie reduzieren Menschen, Gruppen und Vereine auf „Sex“ und „Sexuellen Missbrauch“, auf „Gewalt“ und

„Gefährlichkeit“. Sie schüren mit Ihren Reportagen und mit Ihrem Buch Ängste der Bevölkerung, um schließlich mit der Betroffenheit der Eltern, Erzieher und Sozialpädagogen Geld zu verdienen. Sie vernachlässigen, dass Pädophile kein „Freiwild“ sind, über das Sie schreiben können, wie es Ihnen beliebt. Sie sind

Menschen, Bürger Deutschlands, die eine Würde und Bürgerrechte besitzen, die gemäß des humanistischen Wertekanons der Bundesrepublik Deutschlands Respekt, Fairness und eine gerechte, ausgewogene Berichterstattung zu beanspruchen haben.

Bitte bedenken Sie, dass Pädophile eine sexuelle Präferenz haben, die Sie sich nicht selbst ausgesucht haben, die in der Gesellschaft geächtet ist, eine Neigung, die aufgrund von institutionellen und gesellschaftlichen Repressionen und Diskriminierungen häufig zu Depressionen, Einsamkeit und Paranoia führt. All die

Sorgen und Nöte von Pädophilen haben Sie in Ihren Recherchen und als langjähriges Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V.“ kennengelernt, all diese Faktoren finden Sie in der Sexualwissenschaft“. So fragen wir uns: Wo ist Ihre Fairness, Ihre Moral, wenn Sie Menschen heimlich filmen, um

daraufhin ihr Privatleben zu verbreiten, um daraufhin lediglich die Aussagen, in denen Pädophile über Sex geredet haben, der Öffentlichkeit zu präsentieren und gleichzeitig alle weiteren Aussagen von Pädophilen in Ihrer Schublade zu belassen? In jeder Journalistenschule würden Sie der Einseitigkeit bezichtigt

werden. Sie haben das Vertrauen von Menschen, von Pädophilen gewonnen und dieses Vertrauen rücksichtslos ausgenutzt, um das, was Ihnen privat und persönlich anvertraut wurde, in entstellter Form und zumindest grob fahrlässiger Absicht auf dem Markt sensationslüsterner Massenmedien feilzubieten. Dabei

haben Sie Pädophile in Ihren Wohnungen heimlich gefilmt, obwohl Sie genau wussten, dass wir Ihnen das Filmen untersagt haben! Der Missbrauch von Vertrauen ist auch ein Thema in Ihrem Buch. Merken Sie gar nicht mehr, dass Sie genau so unmoralisch vorgegangen sind, wie Sie es den Pädophilen unterstellen,

die Sie beschreiben? Wo ist Ihre Moral, wenn Sie zweifelsfrei Ihnen nur persönlich anvertraute Aussagen heimlich filmen und zurechtschneiden, aus Kontexten reißen, um sie medienwirksam zu verkaufen?

Können Sie sich daran erinnern, dass die „Alien-Masche“ keine Methode war, um Kinder zum sexuellen Missbrauch zu bewegen, sondern eine erinnerte Episode aus der Jugend eines Pädophilen? Können Sie sich daran erinnern, dass kein einziger Pädophiler, den Sie kennengelernt haben, diese „Alien-Masche“

angewendet hat? Warum suggerieren Sie also der Öffentlichkeit, dies sei eine „Masche der Pädophilen“? Auch betonen Sie, dass Pädophile „Mini-Ehen“ führen und generieren aus solchen und vergleichbaren Einzeläußerungen in geradezu hanebüchener Manier den “Steckbrief des gemeinen Pädokriminellen”.

Herr Karremann, was Sie tun, ist eindeutig: Sie beschreiben Ihre Erfahrungen in der „Szene“ der Pädophilen, die es gar nicht gibt, und generalisieren diese Erlebnisse auf alle Pädophilen, ungeachtet dessen, dass Pädophile keine homogene Masse sind und Ihre Erfahrungen überhaupt nicht repräsentativ sind. Sie

reduzieren Pädophilie, eine komplexe Sexualpräferenz, auf Sex und Gewalt mit dem Zweck, Ängste zu schüren, um schließlich aus der Behauptung Ihres Verlegers, in dem Buch fänden Eltern und Erzieher Erkenntnisse über Pädophile, fragwürdigen Profit zu ziehen. Was Sie stattdessen vorfinden, sind einseitige

Erfahrungen von Ihnen. Sie konnten nicht einen Fall wirklicher Gewalt, wirklichen Zwangs in der sogenannten “Pädophilenszene” in Deutschland dokumentieren und Ihre „Kindersexparties“ blieben Ihre Phantasie.

Sie gehen aber noch weiter: Um Ihre Medienwirksamkeit zu erhören provozierten Sie einen militärischen Einsatz des Sondereinsatzkommandos der Berliner Polizei am 06.06.2003 in Berlin-Mitte. Ihre Aussage „Die Polizei wäre auch ohne mich gekommen.“ zeigt, wie sehr Sie Ihre Verantwortung von sich weisen,

denn die Polizei kommt bei Verdacht auf „Sexuellen Missbrauch“ in der Form der Kriminalpolizei, nicht in der Form eines bewaffneten SEKs. Bis heute sind Sie und die Berliner Polizei dem whk eine Antwort schuldig, wie diese unverhältnismäßige Polizeirepression zustande kam und welchen Einfluss Sie darauf

hatten. Es ist kein anderer Fall bekannt, in denen Pädophile in dieser Form behandelt wurden, außer bei einem Einsatz gegen Mitglieder der Selbsthilfegruppe „AG PÄDO MÜNCHEN“ im Jahr 2003. Wer war in diese Ermittlungen verwickelt? Sie, Herr Karremann! Wie haben Sie es geschafft, das SEK die

Wohnungen von Pädophilen stürmen zu lassen? Wie sehr haben Sie die Polizei in Berlin und München getäuscht, evtl. indem Sie Vorfälle dramatisierten oder schlicht mutmaßten? Bei dem SEK-Einsatz in Berlin waren Kinder anwesend. Sie mussten mit ansehen, wie Pädophile verleumdet, beleidigt und blutig

zusammengeschlagen wurden und dabei höchste Gefahr für einen Pädophilen aufgrund von Verblutung und Ersticken bestand. In Ihren Reportagen wie in Ihrem Buch finden wir keine distanzierte Betrachtung, keine kritische Reflektion angesichts solch unverhältnismäßig eskalierender Polizeigewalt, nicht einmal einen

Ausdruck des Bedauerns angesichts der Zeugenschaft von Minderjährigen, angesichts möglicher und wahrscheinlicher Traumatisierung und Viktimisierung von Kindern. Bis heute leiden Pädophile, die sie ausspioniert und deren persönliches Vertrauen Sie ausgenutzt haben, unter Paranoia. Viele von ihnen befinden

sich in therapeutischer Behandlung – nicht wegen ihrer Pädophilie, sondern infolge des extremen Vertrauensbruchs, aufgrund der Verletzung von Menschenwürde und aufgrund von Paranoia gegenüber der Polizei und gegenüber diesem unverhältnismäßigen investigativen Journalismus.

Schließlich möchten wir Sie darüber informieren, dass Ihr Angriff auf die Selbsthilfegruppe München, sie sei eine kriminelle Vereinigung gemäß §129 STGB, rechtswidrig war und Haftbefehle gegen Mitglieder aufgehoben wurden. Das entschied am 29.03.2006 das Bayerische Oberste Landesgericht.<br />

Viele der von polizeilichen Ermittlungen betroffenen Pädophilen sind straffrei ausgegeangen oder haben lediglich Bewährungsstrafen erhalten, ein Zeichen dafür, dass der „Missbrauch“, den sie zweifelsfrei begangen haben, kein präjudizierendes Wesensmerkmal des Pädophilen ist; von einer Gefahr für die

Gesellschaft, die für Sie offenbar in der schieren Existenz Pädophiler besteht, gar nicht zu reden. <br />

Herr Karremann, Hören Sie damit auf, Pädophile in die Ecke von „Sex“, „Missbrauch“, „Gewalt“ und „Gefährlichkeit“ zu stellen und damit eine Minderheit, die ohnehin gesellschaftlich geächtet ist, weiter zu diskriminieren! Hören Sie auf, sich das Vertrauen von Pädophilen zu erschleichen, Aussagen zu provozieren

und sie aus Kontexten zu reißen oder in andere Kontexte zu bringen! Hören Sie auf, die Bevölkerung zu verängstigen und zu verunsichern! Ihr Buch ist ein Katalog von Vorurteilen und Diskriminierungen. Ihr Buch liefert keinen Beitrag zum Kinderschutz, kein Kind wird durch Ihr Buch geschützt! Wir hoffen, dass Sie

wenigstens ein schlechtes Gewissen haben! Wenn nicht, so fragen wir uns, ob Sie sich je mit dem Thema „Medien und Moral“ beschäftigt haben!<br />

Mit freundlichen Grüßen

Die Arbeitsgemeinschaft Pädophilie Berlin

Informationen:

Mit dem Zweiten sieht man besser:
Berliner Polizei organisiert schwule Kindersexparty im ZDF

Keine Bühne für Karremann

„Feindbilder“ von Eike Stedefeld

Reaktion der Urania Berlin e.V. vom 20. 11. 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bestätigen den Eingang Ihres Offenen Briefes.

Wir werden Ihrem Ersuchen nicht folgen, die Veranstaltung aus dem Programm zu nehmen. Vielmehr werden wir uns bemühen, einen möglichst störungsfreien Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Wilfried Karl
(Fachbereichsleiter)
Urania Berlin e.V.
An der Urania 17 / Kleiststr. 13
10787 Berlin-Schoeneberg

Email-Antwort des whk an Dr. Wilfired Karl vom 20. 11. 2007

Sehr geehrter Herr Dr. Karl,

ich danke für Ihre Email in Reaktion auf den Offenen Brief des wissenschaftlich-humanitären komitees (whk) vom 5. November 2007. Allerdings ist sie bedenklich in zweierlei Hinsicht.

Zum einen gibt Ihre Email keinerlei Auskunft darüber, ob sich die angesprochenen Gremien der Urania Berlin mit dem Inhalt des aus begründeter Besorgnis heraus verfaßten Offenen Briefes überhaupt auseinandergesetzt haben. Das whk hat immerhin schwerwiegende Argumente gegen die geplante Veranstaltung

vorgebracht.

Wenn das whk mit dem Polizeidirektor Reinhard Mokros den seinerzeitigen Vorsitzenden der ältesten Bürgerrechtsorganisation Deutschlands, der Humanistischen Union, zitiert, der in Herrn Karremanns Aktivitäten eine Gefahr für den rechtsstaatlichen Strafprozeß sieht, wenn erfahrene Journalisten der begründeten

Meinung sind, daß Herrn Karremanns Artikel über Pädophile gegen den Pressekodex verstoßen, wenn sie sich in diesem Zusammenhang an Elemente aus Victor Klemperers berühmter Analyse der Sprache des Dritten Reiches (LTI) erinnert sehen und von einem hohen Verhetzungspotential die Rede ist: Wäre dann

nicht zu erwarten, daß sich eine renommierte Bildungsvereinigung wie die Urania Berlin damit intensiv auseinandersetzt? Und daß sie im Falle dessen, daß sie dennoch an der Veranstaltung und dem derart kritisierten Referenten festhält, dieses Festhalten argumentativ begründet? Geschieht dies nicht und wird dies mit

einem knappen Satz abgetan, so muß dies bei den um die Demokratie beorgten Verfassern des Offenen Briefes kaum anders denn als herablassend wahrgenommen werden.

Zum zweiten hätte sich unseres Erachtens für eine der demokratischen Wissenschaft und Bildung verpflichtete Institution zumindest der Versuch geziemt, die gegen die Veranstaltung, ihren detailliert analysierten und als Propaganda entschlüsselten Ankündigungstext sowie ihren Referenten vorgebrachten

Sachargumente auf wissenschaftlicher Basis zu entkräften. Statt dessen sah sich die Urania Berlin zu der Mitteilung bemüßigt, sie werde sich “bemühen, einen möglichst störungsfreien Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten”.

Dieser im Hinblick auf unseren Offenen Brief völlig zusammenhangslose Satz transportiert eine unglaubliche Unterstellung, die das whk aufs Schärfste zurückweisen muß. Was immer die Urania Berlin als Störung befürchtet, erwartet oder empfindet – seien es sachlicher Widerspruch, Beifall, Zwischenrufe oder eine

Saalschlacht –, ob sie präventiv einen Moderator einsetzt oder einen Saalschutz aufbietet: All das hat mit dem Offenen Brief des whk nichts zu tun. Demokratie, Herr Dr. Karl, beginnt beim respektvollen Umgang mit Menschen, auch und gerade, wenn sie eine gegenteilige Meinung vertreten.

Ihre Nachricht läßt diese humanistische Grundhaltung deutlich vermissen. Sie behandelt die Mitglieder des whk – darunter gestandene Arbeiter, teils promovierte und habilitierte Politolog/innen, Juristen, Historiker, Naturwissenschaftler, Ökonomen, Publizisten, Künstler/innen und Politiker bis zum Ex-MdB – wie

dumme, aufmüpfige Kinder. Geprägt von Arroganz und Mißachtung, ist ein solches Gebaren dem whk seit der Wiedergründung als sexualpolitische Assoziation in der Tradition Magnus Hirschfelds sowie der zweiten (west-)deutschen und DDR-Homosexuellenbewegung vonseiten keiner anderen Organisation von

Rang begegnet.

Insofern können wir lediglich unserer Hoffnung und Erwartung Ausdruck verleihen, daß diese, Ihre Email nicht die letzte Antwort auf den Offenen Brief des whk war und nicht die generelle Attitüde der Urania Berlin e.V. gegenüber wem auch immer repräsentiert.

Mit freundlichen Grüßen

PD Dr. Florian Mildenberger
whk-Gruppe Berlin, AG Schwulenpolitik des whk

 

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